^■^ ^^: Haine und y* •>. ■T ,^;»Aj^,.f ^rieclnisclnen Al^^iß ^;?- ■>• T '■* f .-S ii^J»- • r ^. _.;, „Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht des König!. 'GymnasitioÄis i^j Ostern 1893. .O^VJ^-J: .^vy'-jisS r. " , Von Dr. Richard Wäntig, Oberlehrer am KönTl ,-'-'.-*f •«f s -'ff*..- • >-'» '4 ■^; ,i-,k:;,^. •.«<,:.■ "^«r*" \'. ■««;v»;f. "«i«i.v:^' ^'^^i^ **'- «J^M. Itn. Progr.-Nr. 5S1. ^rodt ^sr*^" iSoto. /. ■■H ?»«i*-> •ü;^ x- .Ji- •"IXT-; fL if^»- ;. .-.^i;.. '""iS^:^ Haine und Gärten im griechischen Altertum. ^■:- Sowie die elementaren Kräfte und die starken, erschütternden Wirkungen der Natur, Blitz, Donner, Sonnenschein, Regen, Sturm, vulkanischer Ausbruch und Erdbeben bei allen Indogermanen und somit auch bei dem in Griechenland eingewanderten Zweige dieser Völkerfamilie das Gemüt mächtig ergriffen, so dass sie beim „ Augenaufschlageu über die grossen Wunder der Natur "^) in ihrer „einfachen aber seelenvollen Naturanschauung"*) zur Dichtung ihrer Göttermythen gelangten, so sind auch die andern, weniger gewaltigen, aber immer wiederkehrenden Erscheinungen und Vorgänge in der Natur schon in der frühesten Zeit nicht' ohne tiefe Wirkung auf die emptängliche Seele der Griechen geblieben. Dies gilt vom Wechsel der Jahres- und Tageszeiten, von der Bewegung der Gestirne, vom Wehen des Windes, vom Rauschen des Meeres, vom Zuge der Wolken, nicht am wenigsten von allem Spriessen, Wiichsen und Blühen im Pflanzenreiche, vom Reifen der Saaten und Früchte, von Erscheinungen also, welche sich immer wieder der Beobachtung von selbst aufdrängten. Das unerschöpfliche Werden und Wachsen aller Vegetation, besonders auch das Emporstreben der zum Himmel ragenden*), mit ihren Früchten Nahrung spendenden, mit ihrer teils alljährlich sich erneuernden, teils immergrünen Belaubung Schatten und Schutz gebenden Bäume übte einen derartigen Eindruck auf das Gemüt der in stetem Verkehr mit der Natur gebliebenen ältesten Bewohner der griechischen Halbinsel aus, dass sie die stattlich sich erhebenden, breitwipfligen, grünenden Bäume zuerst selbst für göttliche Wesen ■*) ansahen, sodann aber in ungleich ausgedehnterm Masse für Wohnsitze bestimmter Gottheiten hielten. M Die mit diesen kurzen Worten von dem Ästhetiker W. Vischer gegebene Definition der griechischen Mythologie ist neben andern auch angenommen von Alfred Biese, die Entwicklung des Naturgefühls bei den Griechen. Kiel 1882, Seite 9, wo er hinzufügt: „So ist in der That auch die griechische Mythologie ein glänzendes Zeugnis des mächtigen Eindrucks, den die Natur auf den Griechen machte, des innigen Interesses, mit dem er die Vorgänge in der Natur belauschte und menschlich deutete. Auch in der griechischen Mythologie bildet den Kern ein dumpfes, ahnungsvolles Gefühl gegenüber den erhaltenden und zerstörenden Naturkräften, und die erregte Phantasie schafft die poesievollsten Gebilde". *) L. Preller, griechische Mythologie. 3. Auflage v. E. Plew. 1872, Seite 1. — In ähnlichem Sinne bezeichnet W. Röscher, das tiefe Naturgefühl der Griechen und Römer in seiner historischen Entwicklang, Meissen 1875, Schulprogramm Seite 4, von den vier von ihm aufgestellten Stufen des antiken Naturgefühls die erste als die mythische oder religiöse. •) So rühmt Homer die Tanne als himmelhoch. Od. V. 238. oS'i devÖQsa fxw/.Qa 7t€(pvx.ei, y-Xr^dgr] t' al'yeiQog t' eXocTVi t' r^v ovqavo^r-Arfi. *) Am klarsten tritt diese Auffassung des Baumes als Gottheit hervor in dem als Artemis Soteira von den Lakoniem in Boiai verehrten alten Myrtenbaum, den noch Pausanias sah: Paus. III, 22, 12. ro devÖQOV kxL iy^ivr^v oeßovoc rr^v fuvQOivtjV xat ^Ldqfte^iv ovouatovaiv 2ayreiQav. i^ ;> .:gebni8 (Seite 535). — Auf ihm fusst im wesentlichen A. Baumeister in seinen Denk- mälern des klassischen Altertums zur Erläuterung des Lebens der Griechen und Römer in Religion, Kunst und Sitte, München und Leipzig 1889, Seite 295 — 298, Artikel ,, Baumkultus". ') Paus. VIII, 24, 7. Ttd-aTirai Si y.ai \4Xy.jiiaian' iv Wojcpiöi b yi/.i(piaQdov, ymi o\ to f^iv'tf.ia iaziv ol'~/.T^iua oite fiieyed-ei ovte «AAwc -M./.oai.ir^nivov. rteql de aixo y.v7taQioaoi nefpvKaoiv lg TOOoivTov viliog avi'A.ovaai, Üote /.al to ^OQog xo nqbg tr Wtocplöi /areffxtaueTO irt aitütv. tavTag ovK sd^iXovaiv eA^OTZTEiv uqag zov '^4Xfjaio}vog vo/ni^ovzeg. y.akovwai de vrcb töjv eTtixiogicov uagd-ivoi. *) Eberhard Schrader in Ed. Riehms Handwörterbuch der biblischen Altertümer, Seite 554. welcher im Artikel „Hain" besonders den Baumkultus der orientalischen Völker behandelt. — Den Baumkultus der Ägypter, Inder, Assyrier, Armenier, Iranier, Perser, Israeliten, Kelten imd Germanen bespricht im Anhange seines Werkes Carl Bötticher a. a. 0. Seite 495—529. Den Baum- und Waldkultus der germanischen und keltischen Stämme behandelt J. Grimm in der deutschen Mythologie, 4. Ausgabe v. E. H. Meyer. I. Seite 55 ff. vergl. Seite 357 f. II. Seite 539 ff. — An vielen Stellen ist zu vergleichen Mannhardt, Wald- und Feldkulte. I. Teil. Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme. Berlin 1876. den folgenden Seiten als Übersetzung des griechischen Wortes Alsos^) beibehalten werden, dessen Nebenform Altis in der Mundart von Elis speziell den heiligen Hain von Olympia bezeichnet Die ganze für uns wichtige antike Auffassung der Götterhaine scheint der Philosoph Seneca in einem Ausspruch, auf den man in Ermangelung ähnlicher direkter Äusserung bei griechischen Schriftstellern mit Recht hingewiesen hat^**), am besten wiederzugeben, wenn er schreibt^*): „Wenn du in einen Hain trittst voll ehrwürdiger Bäume in übermächtiger Grösse, die dir durch das dichte Dach ihrer Zweige den Anblick des Himmels entziehen, so erregt dir die mächtige Höhe derselben und das Geheimnisvolle des Ortes mit seinem Schatten die Ahnung der Gottheit". In einem düsterernsten, schweigenden Walde hochragender Bäume also fühlte sich bei feierlicher Stille, unterbrochen vielleicht nur vom geheimnisvollen Rauschen oder Flüstern in seinen Wipfeln, das religiös gestimmte Gemüt wie von der Nähe der Gottheit berührt. Derartig dunkle Wälder gab es aber nun in allen Teilen Griechenlands, besonders in der ältesten Zeit der Einwandrung, eine grosse Menge, ja wir dürfen annehmen, dass es ähnlich wie das alte Germanien zum grossen Teile mit Wald bedeckt war"), der allmählich freilich mehr und mehr gelichtet und in späteren Zeiten fast völlig ausgerottet wurde ^'), da es, geringe Ausnahmen abgerechnet, den Griechen an einer planmässigen Forstwirtschaft gebrach. In den höheren Gebirgen erhielten sich die alten Waldbestände am meisten unversehrt, selbst in Arkadien , obwohl dort grössere Niederlassungen der Einwandrer stattfanden ^*). Die von Pausanias, also im 2. Jahrhundert nach Christus, dort gesehenen Eichenwälder werden wir daher wohl als uralte betrachten können. Der zwischen Mantinea und Tegea gelegene führte den Namen Meerwald (Pelagos)^^) wegen des dem Meere ähnlichen Rauschens seiner WipfeP*), ein andrer ') Die Alten leiteten aXoog von akdaivü) wachsen lassen , spriessen lassen ab ; auch heute billigt man diese Zusammenstellung mit der Wurzel aXd — vergl. Curtius, Grundzüge der griechischen Etymologie. 5. Auflage, Seite 356. Das Etymol. Magnum erklärt akoog als to öV(.icpvtov x^'^Q^ov, xb Tefxevog (vergl. unten Note 41) der Scholiast BV zu Od. X. 509 deutet aXaea als 'lega y.ai ovvSevöga xfc>^i'a, der Scholiast D zu II. II. 506 sagt 71 5g zo'/tog avvöevdqog vÖojq i'xcov y.ai ^€Öig cKfieqio^lvog aXaog '/.aksirai. — Später sind auch andre kleine Waldstücke mit aXoog bezeichnet worden. So brauchen vielleicht auch die im grossem Hymnus auf Aphrodite (h. III) vs 20 erwähnten aXosa oviioevta, in denen Artemis dem Jagdvergnügen obliegt, nicht dieser Göttin geheiligte Haine zu sein. ■") Bötticher a. a. 0. Seite 180. ") Seneca Epist. V. 41. Si tibi occurrerit vetustis arboribus et solitam altitudinem egressis frequens lucus et conspectum coeli ramorum aliorum alios protegentium umbra submovens: illa proceritas silvae et secretum loci et admiratio umbrae in aperto tam densae atque continuae fidem tibi numinis facit. ") Vergl. Karl Koch, Die Bäume und Sträucher des alten Griechenlands, Stuttgart 1879, Seite 18. ") Vergl. Neumann und Part seh, Physikalische Geographie von Griechenland mit besondrer Rücksicht auf das Altertum. Breslau 1885. Seite 363. ") Vergl. K. Koch a. a. 0. ") Paus.vni, 11, 5. luiera öi Tt^v ig Uakkawiov ex 3Iavriv€iag ayovaav (oöov) rrqotXd-övri iog TQiaxovrd nov ozaöiovg, naqi^'ML xarä rdvxo eg rrv keioq>CQOv o tov nekayotg vjxXov^tvov ögv/nog. VIII, ii, lo. ^Eyeyovei öi t(^ 'ETtafxeiviovde^ /Liavreia TtQovEQOv In ba JeXcpcöv, ntlxtyog avTov (fvXaaoe^ai. '/.al o fiev T^ir^QOvg re jat. STiißr^vai f.irße snl veatg qxyqridog TtXevaai. öeifja bIx^. t(^ de aqa TleXayog ÖQVfibv y.al ov d^aXaoaav TiQoeXeysv o daifiiov. '*) Vergl. Ernst Curtius, Peloponnesos , eine historisch -geographische Beschreibung der Halbinsel. Gotha 1851. I. Seite 240. ^tt^'^,V'}^^^^<. " l^:-r^:. ' K: ^' hiess Aphrodision^'), ein dritter Soron, der noch zu Pausanias' Zeit mit seinen Wildschweinen, Bären und- Riesenschildkröten einen urwaldartigen Charakter trug^®) und in Überresten noch heute vorhanden ist^^). In Messenien nannte man ein Eichengehölz Lykoswald '"). Diese Namen beweisen, dass nicht alle Waldgebiete mächtiger Bäume heilige Haine waren, während andrerseits der Umstand Beachtung verdient, dass die Götterhaine eben als solche von der Axt und der Säge nicht verletzt werden durften und somit einigermassen der Waldverwüstung der geschichtlichen Zeit Einhalt thaten. Denn die heiligen Bäume und Haine schützte und scheute man in der spätesten Zeit noch, als der Götterdienst in der Hauptsache aus der freien Natur in geschlossene Tempelräume sich zurückgezogen hatte. Nächst dem Moment des Weihevollen, der Ehrfurcht gebietenden Grossartigkeit der Haine als Beweggrundes für ihren Kultus war es sodann das Wohlgefallen an dem Baume, an seiner Belaubung, am Bau seiner schlanken oder breitästigen Krone, also der Eindruck des Anmutigen und Lieblichen beim Anblick sowohl einzelner prächtiger Exemplare als auch in gegenseitiger Ergänzung vereinter Gruppen von Bäumen aller Gattungen, das Angenehme und Erfreuende des Aufenthaltes unter dem Kühlung spendenden Laubdach einzelner Exemplare ebenso wie ganzer schattiger Wäldchen, welche die alten Griechen ^M veranlasste, in und unter Bäumen und Hainen Götter zu finden und /u verehren. In ihrer lebendigen Phantasie sahen sie wie auf den felsigen Höhen und in den klaren Quellbächen so auch in den wohlgebildeten Bäumen noch andre Wesen zugleich lebend, und zwar jugendlich anmutige weibliche Göttinnen, Nymphen, also Baumnymphen und Waldnymphen, die bald Dryaden, bald Hamadryaden genannt werden. Es gehören die Nymphen wohl zu den am frühesten verehrten Gottheiten ^^; und man hat das als „vielleicht ebenso selbstverständlich bezeichnet wie die Priorität der Nomaden vor dem Ackerbaues)". Dies würde dann auch für die Baum- und Waldnymphen gelten 2-*). Wenn aber der Volksglaube an alle Arten Nymphen aus ältester Zeit stammt, dann verdient es hervorgehoben zu werden, dass ") Paus. VIII, 25, 1. '£<,' 6h QiXiioioctv lovci i/. '^Ftocpldog TtgiÖTa f^iev y/OQiov TQcniaia iociv ovof.taL6fjevov tv aQiareQijc xov ylädowO'^, TQo:ca!o)v öi t'xcvai ÖQvubg \4cpQodioiov. '*) Paus. VIII, 23, 9. Jiaßi'or] re öt rbv 7coTauov v.ai i/ri öqvuov acfi'Srj ^ögova .... ayei uev ör b ^Öqiov xiv snl Wiocfidog. ^i^qla dt otrog te /mi oaoi ÖQV/.toi roig ^'Aq/moiv eiaiv aXXoi TtaQixovzai rooäöe. aygiovg ig xat ag/^TOig /.ai xeXiuvag f^ieyiozag /.ieyi&et. '*) E. Curtius, Peloponnesos I. Seite 380. „Seine Überreste sind noch heute in dem Eichengehölze des Besinithales und der umgebenden Höhen nördlich von Stresova erhalten." *") Paus. IV, 1, 6. Kai Av/.ov dQijiiov In ovojudZovoiv tvS^a (yiv'/.ogj h/Md-i^gt rovg (jivarag. ^') 0. Schrader, Sprachvergleichung und Urgeschichte, 2. Auflage, Seite tili, bezeichnet den Gedanken an gauze den Göttern geweihte Haine als den Ariern von Haus aus fremd. **) In der Ilias erscheinen unter den von der Thetis auf Zeus' Geheiss zur Versammlung berufenen Götter und Göttinnen auch alle Nymphen: II. XX. vs 7. ovTE Tig ovv Ttorafjvjv arcli^v, vöacf 'ii/xavolo oi-rs aqa vv/jq)aiov, aic^ aXoea AaXä ve/joviai '/.ai niffctg noTa^Cuv -/.ai Ttioea Ttou^evra. **) A. Baumeister in seinen Denkmälern des klassischen Altertums. II. Seite 1031. **) Lehrs, populäre Aufsätze aus dem Altertum vorzugsweise zur Ethik und Religion der Griechen, 2. Auflage, Leipzig 1875, Seite 114, hält den Glauben an Waldnymphen für älter als den an Baumnymphen. Seine trefflichen allgemeinen Bemerkungen (Seite 111) mögen hier eine Stelle finden: „Was anders denn wäre die Schöpfung der Nymphen als der plastisch - religiöse Ausdruck eines innigen Naturgefühls, als die Umsetzung des innigstempfundenen Natureindrucks in plastischen Ausdruck und Anschauung oder der plastisch objektivierte Natureindruck. So wie der Grieche in die örtliche Natur um sich sah, in seine Wälder und Grotten, seine Berge und Schluchten, seine Quellen und Wellen, — so empfing er den Eindruck eines Lebens, eines anmutigen, üppigen Lebens, eines von ihm unabhängigen, göttlichen Lebens so lebendig, so innig, so hehr, dass sich ihm die -iS- :=» -■ - .. ^.r - v-'^''^;-;!" ;,-;/?f,-.> - ■■ . *... : • .r • '■■■ :\ ■ gerade Ton Wald- und Baumnymphen unter den Unmassen aus dem Altertum erhaltener Denkmaler bis jet^t keine bildliche Darstellung **), selbst nicht in Vasenbild«ru, bekannt geworden ist, während von den Najaden, den Quell- und Wassernymphen, besonders auf Reliefs viele antike Bildnisse erhalten sind. Hierin liegt vielleicht ein neuer Beweis dafür, dass seit ältester Zeit auch die • Schönheit vegetabilischer Formen bei den Griechen in hohem Masse empfunden und gewürdigt und als an sich für so vollkommen erachtet worden ist, dass man durch Umsetzung derselben in plastische, menschliche Formen den ästhetischen Eindruck nicht anschaulicher und besser wiedergeben zu können glaubte. Wenigstens hat der dichterischen Phantasie, welche die Dryaden schuf, die bildende Kunst nicht folgen können. Allen Nymphen aber dichtete man ein heitres Aussehen, eine freundliche, zutrauliche Art gegen die sie verehrenden Menschen an, mit denen sie in Verkehr zu treten geneigt waren, wie die in einer Gegend beisammen wohnenden" Nymphen selbst ein heitres geselliges Leben führten und auf grünen Matten oder unter Bäumen von ganz besondrer Schönheit oder hervorragender Grösse ihre Reigen tanzten. Mit diesen auch den Dryaden und Hamadryaden zukommenden Eigenschaften deutete man die Annehmlichkeit des Aufenthaltes in der erquickenden Kühle an, das Wohlbehagen in der friedlichen Stille, in der erfrischenden Waldluft des grünen Haines. Übrigens Hess man auch den würzigen Duft, den Baum und Strauch verbreiteten, nicht unbeachtet. Von einem Haine in Athen wenigstens, der „wundervoll" genannt wird, wird das besonders hervorgehoben. Es war der Hain im Gryneion, der also einen Apollotempel umgab. Von ihm berichtet Pausanias^"), dass er teils aus Fruchtbäumen bestand, teils aus solchen, die zwar nicht Früchte trugen, aber durch Wohlgeruch oder durch schönen Wuchs den Beschauer erfreuten. ^ empfundene Wirkung sogleich in göttliche Wirksamkeiten umsetzte, und diese göttlichen Energien nun nach seiner Weise sogleich als göttliche Gestalten, göttliche Personen hervorsprangen. So fasste er die räumliche Natur um sich ähnlich der zeitlichen — nehen den Hören die Nymphen. — Nun aber bemerke man wohl: der Grieche ist, recht im Gegensatze eines neuem schroffen Materialismus, der ausgemachteste Spiritualist. An Berg, Grotte, Fluss, Wellen und sofort interessiert ihn die Natur garnicht: sie entschwindet ihm: was ihn angeht, was ihn anspricht und erfasst, ist die Anmut, die Klarheit und Regsamkeit der Quelle, die sichere Kraftfülle des Flusses, das schattige Dunkel des Hains , die üppige Feuchte der Trift , das farbige Wallen des Meeres ; kurz diese und solche gleichsam seeUsche Eigenschaften, die wieder auf seine Seele wirken, die er aber eben nicht aoffasst als Eigenschaften an einem Körper, sondern empfindet als Lebensäusserungen, als göttliche Wirksamkeiten. Demgemäss ist ihm das auch alles göttlich, hehr, heilig''. — Zu vergleichen sind auch Mannhardt, Wald- und Feldkulte. Berlin 1877. H. Teil. Antike Wald- und Feldkulte aus nordeuropäischer Überlieferung erläutert. Seite 1 ff., Seite 31 ff. *') Dasselbe gilt von den Oreaden ; jedoch kommen von den Berggottheiten viele männliche Personifikationen auf Kunstwerken vor. VergL A. Baumeister in seinen Denkmälern des klassischen Altertums, Seite 1031. — Von Baumeister ist nicht hingewiesen auf eine im Abguss im Berliner Museum (Friedrichs-Wolters Beschreibung der Gipsabgüsse des Berliner Museums Nö. 1494) befindliche Marmor-Gruppe „Dionysos und die Rebe" darstellend, deren Original im Britischen Museum sich befindet, abgebildet bei Müller-Wieseler, Alte Denkmäler H, Taf. 32, 371. Hier ist aber die weibliche Figur, die personifizierte Rebe, viel kleiner, als die mit weich ausgebogener Hüfte angelehnte Dionysosgestalt und „gewissermassen nur eine lebendig gewordene Stütze"; vom Oberkörper an hat die Figur, „ähnlich den DaphnedarsteUungen, fast völlig menschliche Formen, so dass eigentlich eine Vermischung von Menschlichem und Vegetabilischem vorliegt , welche , wenn auch nicht ohne Geschick gemacht, doch nur den Reiz einer Spielerei hat, und Ähnliches ist auch in der Kunst nur selten versucht worden." (Friedrichs-Wolters a. a. 0.) **) Paus. I, 21, 7. d^cüQaycag de Xivövg löeiv tv tb akXoig iegolg lativ ava/£ifievovg Kai ev rQvveiq), t'v&a l^TioXhovog /.alhoTOv akoog öevögiov /.al r^(.ieQcov vmI ooa xöjv ay.aQTiun' bafxi^g TtaQix^tai tiva r d'iag rdovrv. hi-. d 4'S',/^^^-^ In diBsem Beispiel finden wir zugleich eine Bestätigung für das oben' in dritter Limii^ angegebene Moment, das zum Baumknitus führte; das der Nutzbarkeit. Es tritt dies tStfi^^ gegen die an erster und zweiter Stelle genannton, wie es scheint, wesentlich zurück*''). VielteWiit ist die Eiche als „ältester Nährbaum" '8) wegen der von ihr gespendeten Eicheln, die bei spärlichen Ernten der Demeterfrucht in den frühesten Jahrhunderten zu Zeiten der Huiigersiiot auch als menschliche Nahrung recht wertvoll gewesen sein mögen, wegen dieser nützlichen Gabe hoch gehalten worden. Dass dies aber Veranlassung zum Eichenkultus geworden sei, dafür lässt sidi der Beweis gerade bei dieser Baumgattung kaum erbringen, weil von den fünf von den Griechen'*) selbst unterschiedenen Eicheuarten nur eine solche Früchte liefert, welche in geröstetem oder in rohem Zustande allenfalls essbar sind. Zweitens, und das ist der Hauptgrund, ist gerade bei ganzen Eichenhainen und auch bei einzelnen Eichenriesen der an erster Stelle angegebene Gesichtspunkt, ihr erhabener Eindruck, der ausschlaggebende gewesen, wobei der sonstige botanische Unterschied der einzelnen Eichengattungen keine Rolle spielt. Gerade einer der ältesten heiligen Bäume der Griechen, von denen wir Kunde haben, war eine majestätische Eiche, die heilige Eiche des Zeus in Dodona'**), ein einzelner mächtiger Baumriese, wahrscheinlich inmitten einer Menge fast eben so umfangreicher und hohei*. . Doch ist von einem Kultus eines ganzen dodonäischen Eichenhaines nichts überliefert. Die Gebirgsabhänge, welche das Thal von Janina einschliessen , — dies war wohl sicher das Thal von Dodon^ — , sind jetzt von Wald entblösst^*). So wird sich kaum mehr feststellen lassen, ob diese Zeuseiche eine Speiseeiche war oder einer andern Gattung angehörte. Sollte übrigens der Orakelbaum keine Eiche, sondern, wie Koch^*) meint, eine Edelkastanie gewesen sein, so dürften zwar die in höherem Grade essbaren Früchte die Veranlassung zum Kultus auch ") In alter Zeit des Nomadenlebens können Bäume grosse Bedeutung als Merkzeichen an den Wegen ;,^ gehabt haben. Man schonte solche Erinnerungsbäume gewiss ganz besonders. — Paus. VIII, 23, 3 berichtet, dass ?; die in der Nähe der Stadt Kaphyae in Arkadien befindliche grosse Platane von den Einwohnern für diejenige ^ gehalten würde, die Menelaos dort pflanzte, als er das Heer zum Zuge gegen Troja sammelte. . f; **) Vergl. Wagler, Die Eiche in alter und neuer Zeit. Eine mythologisch -kulturhistorische Studie. ? I. Teil. Programm des Kgl. Gymnasiums zu Würzen 1891, Seite 34 f. '- *•) Der erste echte Botaniker der Griechen, der auch den ersten botanischen Garten in Athen anlegte, des Aristoteles Schaler Theophrast, handelt in seiner tceql (pvriöv \oTOQia zuerst ausführlich von den Eichen des alten Griechenlands, bezeichnet aber die Unterscheidung der einzelnen Arten als schwierig. Nächst Koch (die j { Bäume und Strftucher des alten Griechenlands), der 10 Seiten seines Buches (Seite 44 — 53) den Eichen widmet, ■ i(- hat Wagler in der bereits erwähnten guten Monographie am ausführlichsten die griechischen Bezeichnungen und ^^ Arten besprochen und die einschlägige Litteratur verzeichnet. Th. von Heldreich, die Nutzpflanzen Griechenlands, ^^ Athen 1862, Seite 15 ff., nimmt ebenfalls auf das Altertum Bezug. V **) Paus. Vill, 23, 5. El di 'EXli'^vcov tdig Xoyoig f-Ttöuevov /MTagid^/uiado^ai dei ue OTtcoa ' ■' devdqa oüta tri -Aal xedrjk&ia keiTrerai, TTQeaßvtarov fjiv i^ Xiyog ioviv acräiv, i^ iv rqt ^auiiov ' rte•) VergL Neamann-Partsch a. a. 0. Seite 362. , ") Bäume und Sträucher, Seite 48 f. — Dagegen sprechen sich aus: Viktor Hehn, Kulturpflanzen und •'» Haustiere in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien, sowie in das übrige Europa. Historisch- linguistische Skizzen. 5. Auflag. Berlin 1887. Seite 323 ff. — von Heldreich a. a. 0. — J^urr, Speise-Eiche, Kastanie und Verwandtes, Programm des K. K. Staatsgymnasiums in Innsbruck 1888. Seite 62—74. — Neumann- '.^ Partsch a. a. 0. Seite 882. Anra. 1. — Interessant ist es jedenfalls wissenschaftlich zu verfolgen, wie zwei «0 klar denkende Gelöhrte wie K. Koch und V. Hehn auf Grund der Stelle Hesiod, Werke und Tage vs 232 \^X und 238 gerade zu entgegengesetzten Schlussfolgerungen kommen. ... • •• "y'^'- ^r- **?^ 9 \ mit gegeben haben; auf jeden Fall ist dann aber der Zeusbaum ebenfalis «»'^bot grossartiger Majestät sich ausbreitendes Exemplar dieser Gattung und der erhabefie, jrißi Gesamteindruck im grossen und ganzen derselbe gewesen. Die Vermutung^'), dÄs'rdar. Baum im thesprotischen Dodoua in Epirus eine Kastanie gewesen sei und im thessalischen-fiodaüh^^ eine Eiche, ist nicht unbegründet Denn thatsächlich werden zwei Orte dieses Namens geaast, und dann hat die Orakelstelle entweder gewechselt oder das wohl ältere Dodona in Thessalieni das die Alten in der Gegend von Skotussa^*) suchten, obwohl seine Stätte schon zu Strabos Zeit nicht mehr sich nachweiseji liess'^), ist über dem thesprotischen ganz in Vergessenheit geraten. In der üias scheint nur das thcssalische, in der jüngeren Odyssee nur das thesprotische gekannt und gemeint zu sein'®). -■5"< Ehe jedoch die Mehrzahl der von den homerischen Gedichten an erwähnten Götterhaine namhaft gemacht wird, sei noch eines griechischen Ausdrucks ^^) gedacht, welcher bei den in Frage kommenden Schriftstellern öfters einen heiligen Hain, in wörtlicher Übersetzung aber einen sogenannten „heiligen Bezirk" bezeichnet. Was haben wir unter einem Temenos — so lautet das Wort — zu verstehen? Zunächst darf die schon angeführte, fast ausschliesslich übliche Übersetzung, wenn sie auch nicht direkt unrichtig genannt werden kann, doch als eine höchst nüchterne, allzu prosaische bezeichnet werden. Da man in der homerischen Zeit, wie wir aus der Ilias und Odyssee wissen, den Königen und Edlen oft gewisse, besonders abgegrenzte Strecken Landes als Krongüter zuteilte und diese königlichen Domänen mit dem Worte Temenos bezeichnete'®), so werden wir unter diesem Ausdruck, wenn er in Beziehung auf Gottheiten gebraucht wird, auch ein für diese aus dem Zusammenhang des übrigen profanen Bodens losgetrenntes und durch irgend einen Abschluss, sei es nun Umzäunung oder Mauerwerk'^), abgpgrenztes Grundstück zu verstehen haben. .■■■*r ■ ") K. Koch a. a. 0. Seite 49. ^) Strabo VIII, pag. 329, fr. 1. ^Hv Ö€ TtQotEQov Ttsgl ^'/.OTolaaav viöXiv xig IleXaaYuaTtdog rb XQfiO'^'f,Q''0v. ef.i7rQrja-9-6vzog d%'n:6 Tivuiv cov öevÖQOv, fievi^v€x&r^ -/mto xQ^i^^bv tov ^^nokhavog ev **) Vergl. Bursian a. a. 0. Seite 23 und Seite 72. '*) Vergl. Bursian a. a. 0. Seite 23, Anm. 5, der sich auf die von Strabo VIT, pag. .129 angeführten alten Homer -Ausleger beruft. Als Gegner der Annahme eines alten, später verschollenen Dodona im pslasgischen Thessalien führt E. Plew in der 3. Auflage von Prellers griechischer Mythologie, Seite 97, Anm. 4 an: G. jF. ünger, Philologus, Seite 577—586 und Schömann, Griechische Altertümer II. Seite 313. ") Tifjevog (und ieqov ri/jevog) natürlich mit rijuveiv schneiden zur Wurzel TSf* — gehörig, heiMt eigentlich Abschnitt, Landstück, „Parzelle". Curtius, Grundzüge der griechischen Etymologie, 5, Auflage, Seite 221, bringt das lat. templum wohl mit Recht mit xefjevog in etymologischen Zusammenhang. • ■. ■*) Nausikaa redet von ihres Vaters Krongut. Od. VI, 293 • . . , • ^^ ^ t'vd^a öi TcccTQog ifiofv ri^evog ved^aXvia r' aXwr. ■■-. ., j. vM: Vergl. IL VI, 194; IX, 578; XII, 318; XVIU, 550. Od. VI, 293; XI, 185; XVH, 299. ") Der allgemeine Ausdruck dafür lautet gewöhnlich Tcegißokog, welcher auch ^äter bei den Tempeln den Abschluss des Tempelhofes beaeichnet, die Mauer, innerhalb deren Priester und Tempeldiener ihre Wohnungen hatten. — Bei Herod VI, 134 findet sich statt TteqißoXog für die Einhegung des Tempelhofes der Demeter die Bezeichnung tQXog und aipiaoir^, wo also sowohl an Domhecke als auch eine Steinumwallung gedacht werden kann. Statt vieler Beispiele von steinernen Einfassungen der Weihfluren und Haine nur eins: Paus. VIII, 87, 10. '^Yneq de ro yiaJiavfievov Meyagov eariv aXaog rr^g Je07coivt]g te^ ^qi/m^ Ud^ixjv 7iBqu%6tt£votf. Bei der ümfriedigung dieses geweihten Raumes ist auch ausdrücklich angegeben, das« ein Eingang in dieaelbe angebracht war, ebenda 37, 1 svvev^ev di ig tov ie^ nsqißoXov trfi Jeajtoirrjg iativ aaodog. Dass diese Steinumgrenzungen anfänglich sehr primitiv gewesen sein werden, kann man daimn« s cbüesa a n , ä % .V. ":-:."tS •.■.n^..-..,^M^-'*TL __10 ^ ^■;^-;.v^: ;:.;_. / ■ ' - Diese für Kultuszwecke herausgehobenen und für alle Zeiten zunächst einmal dazu reservierten Stücke Landes wurden nun den betreffenden Gottheiten geweiht Auf diesem ihnen heiligen J- Boden schalteten und walteten sie wie in einem ihnen ausschliesslich gehörigen „Bezirk". Nur f wird man gewiss nicht fehl gehen mit der Annahme, dass bei der Auswahl dieser Parzellen für die Götter doch gewisse ästhetische Vorzüge derselben massgebend gewesen seien. Aus finichtbarem, wohlbewässertem Ackerland, aus ährengesegnetem Saatfeld, aus blumigen, saftigen Wiesenmatten* "), ja selbst aus bereits mit Strauch und Baum bestandenem Waldgrund wird*^) man die Ländereien der Götter herausbezirkt haben. Diese nennen wir aber mit Rücksicht auf das Reizvolle ihres Anblickes doch viel treffender „heilige Weihfluren", da es wohl eben nicht öde, kahle Bezirke*^) waren. Man wird ja wohl auch bald nach der Abtrennung und Umzäunung dem geheiligten Grund und Boden eine gewisse Pflege*^) haben angedeihen lassen. Dann ist man auch zur Erbauung von Altären, viel später zur Errichtung von Götterbildern**) geschritten, die die noch jetzt in Ättika aufgefundenen TCEQißoloi von Gräbern nicht immer aus regelmässig behauenen Steinen gebildet sind und auch häufig eine nicht regelmässige Gestalt des Grundrisses zeigen. Vergl. A. Milchhöfer in den Erläuterungen zu Curtius-Kaupert, Karten von Attika, Heft I, Seite 37 und 38; daselbst ist auch die nicht ganz regelmässig viereckige Steinumhegung eines Temenos im Grundriss abgebildet, in welchem der Verfasser eines der 4 Theseusheiligtümer wiederzufinden glaubt. Der Eingang in die Steineinfassung vom Prozessions wege aus ist deutlich zu erkennen. Milchhöfer weist darauf hin, dass der Peribolos des Pelopion zu Olympia ähnlich gestaltet gewesen zu sein scheine. — In späterer Zeit baute man regelmässiger und aus besserem Material. So bezeichnet Pausanias das Aiakeion auf Ägiua als einen quadratischen, mit weissem Marmor umschlossenen Raum : U, 29, 6: h> STCKpavearaTot de rr^g rcokeiog t6 yilä'Aeiov y.aXovf.tevov , rceqißoXog xexQayoivoQ yUvxoiJ Xid'OV. — Bei sehr umfangreichen Hainen bediente man sich ringsum laufender Grenzsteine, z. B. beim Asklepioshain im argivischen Epidauros, der viele Baulichkeiten für Kult- und Kurzwecke enthielt. Paus. II, 27, 1. To de \eQ6v akoog rov ^^4a/.h\7Tiov 7ieQuxovoiv oqol Travvaxod^ev. — Vergl. Bursian a. a. 0. II, Seite 75. *") Vergl. II. II, 695. Ol 6' eixov Ovkaxt^v /.al UvQaaov av&efjoevra Jr^f.ir/tqog r^ievog. wo später die Stadt Demetrion gegründet wurde und Strabo IX, 5, 14 ein Jijiijiqog aXoog '/.ai \tQOV ayiov fand. *') Das Etymolog. Magnum stellt die Erklänmg rö Ti(.iEvog für aXoog neben die oben Note 9 angegebene to oif.4ffVT0v x^'JqIov. ■**) Natürlich wird ein Tef.tevog allerdings zunächst einen wenig erfreulichen Anblick geboten haben, wo 68 aus besondren Rücksichten auf felsigem Grund für eine Gottheit abgetrennt werden musste, z. B. auf der AkropoUs zu Athen. Gerade an solchen Stellen, wo die Natur ihren Schmuck versagte, hat dann aber eben die bildende Kunst um so mehr dem ästhetischen Bedürfnis Rechnung getragen. ") Vergl. unten Note 149 am Ende. Schon die Umzäunungen, sowie später die Mauern haben doch gewiss auch den Zweck gehabt, das Eindringen von Tieren zu hindern. Sodann entfernte man in den heiligen Hainen die dürren und vom Winde abgebrochenen Äste. Dies geht daraus hervor, dass es als besondre, im Kultus begründete Ausnahme bezeichnet wird, dass im Haine der Heroine Hyrnetho in der Nähe von Epidauros das Bruchholz von niemandem weggetragen oder sonst verwendet werden durfte: Paus. II, 28, 7 (to ava xQOvov YQvr^&iov '/.krj^tv.) /.al oi 71^1 oavTeg rQ(jK)v TifACcg /.ai aXXag dedio/.aoi, xai hti TOig ■/recpv/.oaiv eXaioig '/al el di ti aXXo dtvögovlocj, •/.a&eorrf/e vofAog tu ^Qavbueva jxrßeva ig oV/ov cpegeod^ai fir^de XQ^^^^^ acpioiv eg ^r^dev, /ata XUJQcev d^avTÖv XeiTtovoiv \eQa eivai rtg Ygri^S^olg. — Wenn es also sonst die Regel war, das Bruchholz zu beseitigen, um nicht eine Wildnis entstehen zu lassen, so wird man in diesem Bestreben auch Dorngebüsch und Gestrüpp beseitigt , etwa vorhandene Wasserläufe , so weit nötig, reguliert haben. Auch in Höhlen und Grotten, die man den Nymphen weihte, wie viele in denselben gefundene Inschriften zeigen, hat die menschliche Hand säubernd und verschönernd nachgeholfen, die Quellen gefasst und mit Ausflussröhren und Brunnenbecken versehen. **) Vergl. W. Hei big, das Homerische Epos aus den Denkmälern erläutert. Archäologische Untersuchungen. 2. Auflage. Leipzig 1887. Cap. XXII. Die Götterbilder. .JA 11 / in ältester Zeit aas Holz hergestellt und' im Freien unmittelbar auf der heiligen Weihflar selbst angestellt wurden. Ilias und Odyssee kennen fast keine wirklichen Kultosbildsäulen, auch nur wenige Tempel *^). Aber eben die heiligen Haine und die Weihfluren waren die Stätten , vielleicht yom 7. Jahrhundert an, wo man den Bau von Tempeln begann, die ebenfalls zuerst gewiss ans den Baumstämmen gezimmert wurden, die der heilige Hain selbst bot. Aber eine grosse Menge von Weihfluren ist mit einem Tempel auch in späterer Zeit nicht ausgestattet worden, dagegen weihte man auf ihnen fast immer Altäre, während andrerseits unter Umständen ganze Komplexe von Tempeln auf einer Weihflur vereinigt wurden. War die letztere ursprünglich sehr ausgedehnt**), so wurde sie ausserhalb der Mauer, die das heilige Land im engeren Sinne umschloss, im Interesse des Tempels und des Tempelschatzes für Acker- und Wiesenbau benutzt. Dieses äussere Tempelgut durfte dann auch mit Dung versorgt werden, unter Umständen wurde sogar das Quantum desselben dem Pachter des Tempelgutes vorgeschrieben*'), während man in der Anwendung des genannten Stoffes in der Weihflur innerhalb der Einfriedigung eine Entweihung erblickte*^). Wenn man übrigens ein schon herangewachsenes Waldstück für eine Gottheit als Temenos auswählte, so erklärt es sich von selbst, dass dies Wort dann in völlig gleichem Sinne mit „Hain" gebraucht werden konnte, wie es bei den Schriftstellern, besonders den Dichtern in älterer Zeit*^) thatsächlich geschieht. In späterer Zeit scheint mau die Worte Hain und Weihflur (Alsos und Temenos) dem Begriffe nach schärfer auseinander gehalten zu haben. Wenigstens macht sich der Geograph Strabo einmal über die Dichter deswegen lustig, weil sie jede Weihflur einen heiligen Hain zu nennen pflegten. Aus Pindar führt er selbst ein Beispiel an. Er scheint sich nämlich sehr enttäuscht gefühlt zu haben, als er in Böotien anstatt eines von Homer gepriesenen Haines nur ein Temenos fand, nämlich bei den Ruinen der uralten Stadt **) „ Der ältere bild- und tempellose und der jüngere, in Tempeln stattfindende Gottesdienst gingen in der homerischen Zeit in der Weise neben einander her, dass der erstere ungleich verbreiteter war, als der letztere". W. Hei big a. a. 0., Seite 419. '"') Die Grösse der Weihfluren wird sehr verschieden gewesen sein; im allgemeinen kann man wohl annehmen, dass in den älteren Zeiten die Ausdehnung eine grössere gewesen sein wird, dass man später aber, je mehr Land gewissermassen schon unter Gottheiten verteilt war und je mehr für profane Zwecke gebraucht wurde, um so sparsamer damit umgehen musste, besonders wenn die Natur selbst feste Schranken gesetzt hatte, so z. B. auf den meisten Akropolen. *'') Eine erst vor etwa 20 Jahren auf der Insel Amorgos gefundene Marmorstele, welche jetzt al« Kirchen thürsch welle dient, trägt eine nur noch teilweise lesbare, ursprünglich 51 Zeilen lange Inschrift. Aus früheren Abschriften (vergl. R. Weil in den Mitteilungen des Deutschen Archäol. Instituts in Athen 1876. I. Seite 343 ff.) ersieht man, dass daselbst die Bestimmungen eingeschrieben waren, welche die Tempelbehörde eines Zeustempels bei der Verpachtung von Weingärten und Feigenbäumen, welche das Tempelgut bildete, festsetzte. 150 Körbe Dünger werden ausbedungen. Der Pachter soll eine halbe Drachme für jeden Korb der unterlassenen ■/.OTtQOCfOQia zahlen. * ''') Eine Inschrift aus Delphi (Corp. Inscr. Gr. Iö88 = C. J. Attic. II, 575"» verlangt (Zeile 21) ausdrücklich: hti de TÜ^g leqäg yäg 'mttqov lui ayev f.irßBfiiav. **) Hesiod giebt dafür ein deutliches Beispiel. Er beschreibt in der l4o7cig 'HQa/J.eovg den siegreichen Wagenkampf des Herakles gegen Kyknos auf der Weihflnr oder im Hain des pagasäischen Apollon in Delphi: der Ort wird vs. 58 mit zt/uevog, vs. 70 mit äkoog und vs. 99 mit legöv aXoog bezeichnet. Dürfen wir hier nicht an eine ausgedehnte heilige Flur denken, die zwar freien Platz zum Wagenkampf bot, abier an einer oder an mehreren Stellen Buschwerk und Waldbestand trug? — 2* *t; * 5g^S^ü^;¥^.,.-. ■ ■,•■•. • ■-■ . ■:■:■■■■ rT^^^^- '^^^^S^- ■''.^' y/? ■ * ■ • . -*,, .^•' ' ' ■-'-■'■.' >*■, - ■■•.■■■■ '■-:4; Onohestos ****). Dort hatte man von Anbeginn den Poseidon als Hauptgott verehrt, ihm zu Ehren Wettrennen zu Wagen veranstaltet und ihm einen Hain geweiht, der in der Ilias'*) und im Hymnus auf Hermes ^*) erwähnt wird. Ebenso wie Strabo kam auf der Reise durch Griechenland auch Pausanias dorthin, wo er noch den Tempel und das Kultusbild des Poseidon Onchestios erhalten fand und ebenso den Hain; er giebt auch ausdrücklich an, dass es der von Homer gerühmte sei*^'). Wenn aber Strabo, der etwa ein Jahrhundert früher an die Trümmerstätte gekommen war, in Onchestos von dem Poseidonhain keine Bäume mehr gefunden hatte, während der von ihm so gern gelesene und sonst als Autorität betrachtete Homer auf den Anblick eines schönen Haines vorbereitet hatte, so erklärt sich dies wohl daraus, dass der ursprüngliche Poseidonhain durch Brand oder kriegerische Verwüstung zu Grunde gegangen und zum öden „Bezirk" geworden war. Es ist ferner recht wohl möglich, dass man auf dem alten Temenos unter römischer Herrschaft wieder eine Anpflanzung vorgenommen hat, die dann Pausanias gesehen haben kann. Denn da die heiligen Haine im römischen Kultus eine ebenso bedeutende Rolle spielten^*) wie im griechischen, so werden die Römer doch wohl die Erneuerung eines Haines für Poseidon, den sie als Neptunus verehrten, nicht gehindert haben. Übrigens haben ja alle antiken Götterhaine im Lauf der Jahrhunderte durch allmählich vorgenommene Nachpflanzungen erhalten werden müssen; soweit es die Eigenart der betreffenden Bauragattung gestattete, geschah das natürlich aus Wurzelschösslingen des alten Bestandes. Oft wird auch Neupflanzung junger Bäumchen nötig gewesen sein. Derartige Setzung von Bäumen, ganz besonders aber die erstmalige Anpflanzung, die Begründung eines Haines, galt als ein sehr verdienstliches Werk. Götter und Heroen gingen hierin nach der Darstellung der Sagen mit gutem Beispiel voran. So bildet einen wesentlichen Teil des Inhaltes der 3. olympischen Ode Pindars, in welcher der Sieg der Rosse Therons von *") Strabo IX. 2, 33. ^'OyyrpTOQ, S" iovlv, ouov ro ^A^(pi'A.xvovL/.ov awi^yexo ev zi l/iXiaQTi r. ■ 13 yB^3:t':A Akragas auf der olympischen Rennbaha gepriesen wird, die Behandlung der Sage, wie Herakles, der Stifter der olympischen Spiele, den Ölbaum, von dem Theron als Siegespreis einen Zweig errungen hat, aus dem Lande der Hyperboreer nach Olympia verpflanzt habe'*), damit er auf dem Plane, wo die Kampfspiele abgehalten wurden. Schatten verbreite und Gelegenheit biete, Ölzweige für die Sieger zu brechen: Schon war auch für das herrlichste der Spiele Das feierliche Preisgericht bestimmt, Und an Alpheios' heil'gem Ufersaume Des Festes Wiederkehr im fünften Jahr. Doch noch entspross kein schönbelaubter Baum Der weiten Trift im Kron'schen Pelopsthale; Ein schattenloser, kahlentblösster Raum, Ein Tummelplatz dem heissen Sonnenstrahle Bedünkt es ihm, — und in des Helden Brust Erwachte neu die alte Reiselust Ins Land des Ister, wo Latonas Kin(^ Vor Zeiten huldreich ihn willkommen hiess, Auf ihrer Jagd erblickt' er die Gefilde, Wo machtlos stirbt des Nordens eisig Wehn, Und blieb gefesselt von dem holden Bilde Der grünen Baumpracht stillversunken stehn. Und ihn ergreift ein mächtiges Gefühl Solch Reis zu pflanzen, wo im Hippodrom Die Wagen zwölfinal donnern um das Ziel^*'}. Diese peloponnesische Sage von der Pflanzung des wilden Ölbaums konnte natürlich die Athener nicht abhalten, das Geschenk des veredelten, fruchttragenden Ölbaums ^^j ihrer Landesherrin zuzuschreiben, die ja im Streite mit Poseidon um den Besitz der Landschaft mit dieser ihrer Gabe den Sieg davontrug •'^^). Den ihr zu Ehren auf der Akropolis durch sorgsame Pflege ") Pausanias V, 7 kennt dieselbe Gestalt der Sage: '/.o/Jicdivai de ex rr^g '^ YTTegßoQecov yig ror y.oTivov q)aaiv vrro tov '^ HQO'AXeovg ig E^Xr^vag, bezeugt also, dass es sich hier um den wüden Ölbaum ('Amivog sonst auch aYQiekala) handelt. ^"j Moritz Schmidt, Pindars olympische Siegesgesänge, griechisch und deutsch. JenalS69, Seite 21 und 22. ") Über die Einführung des zahmen Ölbaums >rielleicht aus dem semitischen Vorderasien und seine weitere Verbreitung in Griechenland handelt V. Hehn a. a. 0. Seite 82 ff. K. Koch a. a. 0. Seite 125 hält den Twrivog für eine Verwilderung der eXaia, deren Vaterland unbekannt sei; doch weist er, auf Schweinfurths Angaben gestützt, darauf hin, dass in Südnubien der zahme Ölbaum einheimisch sei. **) Bekanntlich stellte die westliche Giebelgruppe des Parthenon diese Scene dar. Dass der Ölbaum da in voller Grösse plastisch ausgeführt war — Marmorreste hat man nicht mehr gefunden — darauf lässt die schöne, doch wohl in Erinnerung an die Parthenongruppe komponierte Darstellung der in Kertsch in der Krim gefundenen mit Farben geschmückten und teilweise in Relief ausgeführten Vase schliessen (abgebildet zuerst Compte rendu de la commission imperiale archöologique. Petersburg 1872, Tafel I, danach verkleinert bei Baumeister, Denkmäler, Abb. 1542 und Baumeister, Bilderhefte aus dem griechischen und römischen Altertum für Schüler zusammengestellt II, 144). Der ganz vergoldete Ölbaum ist von sorgfaltigster Ausführung. Überhaupt ist die Darstellung gerade des Ölbaums und der Ölzweige in der Skulptur und in der Vasenmalerei den Künstlern immer gelungen, so dass ein Zweifel inbetreff der Baumgattung meistens ausgeschlossen ist. Es sei z. B. hingewiesen auf ein in einem athenischen Grabe gefundenes im Berliner Antiquarium befindliches Terracottarelief (abgeb. Archäolog. Zeitung 1873, Tafel 63, danach bei Baumeister Denkmäler Abb. 536), welches die Geburt des Erichthonios darstellt. Der Ölzweig, den Kekrops in der Linken hält, ist als solcher unverkennbar. 14 'v:. Jahrhunderte lang erhaltenen -''^) heiligen Ölbaum hatte Athene aus demselben nackten Felsen , dem Poseidon mit dem Dreizack die salzige Quelle entlockt hatte, emporwachsen lassen und so alle Olbaumpflanzungen des attischen Landes begründet. Denn von dem Mntterbaum im Pandroseion^), der bei der Verwüstung des Erechtheions und der ganzen Akropolis durch Xerxes mit verbrannte, aus dessen Stumpf aber am Tage darauf wieder ein kräftiger Schössling hervorwuchs, wie Herodot^^) berichtet, stammten als erste Absenker^*) zunächst die 12 uralten heiligen Ölbäume**) ab, die in der Akademie unter der Athene und des Zeus Morios**) Schutze standen, und von ihnen wieder alle andern Ölbäume in Attika. Aber auch mit eigener Hand als Pflanzerinnen sich bethätigend, treffen wir göttliche Gestalten an und zwar in der Ilias eine muntre Schar geschäftiger Nymphen, welche den von Achilleus getöteten Vater der Andromache dadurch ehren, dass sie um sein, des Eetion, Grab eine Anzahl beschattender Ulmen pflanzen*'*). Wie Götter und Heroen, so pflanzten und säeten auch die menschlichen Bewohner Griechenlands in ausgiebiger Weise in dem oft durch mühevolle Arbeit dafür zubereiteten Boden*'*). Hatte doch Demeter in allem, was Saat und Pflanzung betraf, freundliche Belehrungen ihnen zuteil werden lassen. Im rbariscll^ Felde bei Eleusis, wo die ersten von ihr durch Triptolemos' Hand der Erde anvertrauten Saatkörner aufgegangen waren und herrliche Ähren hervorgebracht hatten, ehrte man sie durch die alljährlich vorgenommene heilige Umpflügung zum Danke für ihre Gabe und ihre Unterweisung in deren Kultur. Da sie aber auch in derselben eleusischen Gegend, so ging die Sage, eigenhändig dem Phytalos zum Lohne für die ihr zuteil gewordene liebevolle Aufnahme den Feigenbaum gegeben hatte *'^), verdankte man ihr auch das Geschenk der Fruchtbäume. Daher pflegte und verbreitete man diese, sodass in spätrer Zeit besonders ^) Paus. VIII, 23, 5, führt ihn als drittältesten Baum an, vergl. oben Note 30. *•*) Vergl. Bursian, Geographie v. Gr., Seite 318. ") Herod. VUI, 55. — Nach Paus. I, 27, 2, wäre der Schoss sogar 2 Ellen lang gewesen. *'-i Über die Vermehrung des Ölbaums durch Stecklinge und Ableger vergl. den ausführlichen Excurs über Anpflanzung und Pflege des Baumes, sowie Verwertung seiner Frucht bei den Alten bei Neumann -Part seh a. a. O. Seite 417—423. "') Zu Pausanias' Zeit scheint nur noch einer übrig geblieben zu sein, der vom ersten Urölbaura der Sage nach abstammte: I, 30, 2 (Ev l^y.adt^fii'(( df ) v.ai rpircov HTrtr f^)Miac., öevxEQOV tocto ?.ey6u€vov cpavlvai. *^) Vergl. Soph. Oed. Colon. (701 yXav/iag nai^otQocpov q)vX'kov fXaag) 704 6 yag aUv cqCov y.vy.loQ keiaoei vir /joqiov Jibg ya yXavu'i7iig ^A^ava. «*) II. VI, 415. •*) Noch heutzutage findet man in Attika unregelmässig gestaltete antike Steinanhäufungen, welche nach eingehenden Untersuchungen eine andre Erklärung gamicht zulassen, als dass sie bei Säuberung der Felder und Wein Pflanzungen aus dem beseitigten Geröll aufgeschichtet wurden z. B. am Westabhange des Hymettos und in der Ebene von Spata, wo sie „ein sprechendes Zeugnis für die mühsame und unverdrossene Kultur ablegen, zu welcher Attika ausgenutzt wurde." Milchhöfer, Erläuterungen zu Curtius-Kaupert, Karten von Attika, II. Heft 1883, Seite 30. — Vergl. III. -VI. Heft 1889, Seite 5. '^) Paus. I, 27, 2. ^Bv lOVTii) %öt xioqiut (Dvraköv q>aoiv oY/Ji» Ji^ut^Tqa de^ad^ai , /mI ziv i^ebv avil tovnov öovval o'i t6 fpvrov rrg ar/J^g. Daran fügt er auch die metrische Grabschrift des Phytalos, welche das Gesagte bestätigt. '^, V-: >i; p;. ;;.;'.■■-.; V ;. ^ *'C*v' ■-?!' 1*1 '::' . "'. * ■:"■■- ■.■■■"■ -i^'^i-^t/ 'i>}.Mi:-:i:A:4:^i'^-:':- -■/ ; \ ■ '. .■■■■■■■'v' " '■■'■- ■ ' ■" . ' : ■ ■ '..■■■'' :tc in Argos**) und Böotien^*) Obstbau getrieben wurde, mehr noch in Arkadien, wo man der Demeter Malaina Früchte der Obstbäume und Weintrauben auf dem Altar darbrachte'*). Auch dem Dionysos dankte mau für den Schutz nicht bloss des Weinstockes, sondern," wie Plutarch bezeugt, aller Baumgattungen, und dem Poseidon "), weil er allen Bäumen das zu ihrem Gedeihen nötige Wasser zukommen Hess. Als herrlichste aber aller Gaben pries man zu allen Zeiten diejenige des Dionysos, der den Weinstock bei den Thebanern zuerst hatte entstehen lassen'*). Die Verbreitung der Bäume durch Anpflanzung, wie sie bei der Feige, der Olive, der Weinrebe und bei den Obstbäumen des Ertrags wegen geschah, erstreckte sich aber auch auf solche, welche, ohne durch Früchte zu erfreuen, nur durch schönen Wuchs, lieblich grünendes Laubdach oder Blütenfülle ajigenehm wirkten. Es geschah dies selbst dann, vielleicht aus Kultusrücksichten, wenn zu einer Haingründung an Ort und Stelle schon Waldbäunie vorhanden waren '^). Schliesslich sei noch mit wenigen Worten der Anpflanzung und Pflege der Blumen gedacht, insoweit sie gewissermasseu auf Wunsch der Götter und nach dem von ihnen gegebenen Beispiele vorgenommen wurde. Die Hören, Chariten und Nymphen waren es, welche die Blumen liebten, pflegten und zu Guirlanden und Kränzen wanden; besonders thaten sie das letztere, wenn sie als Begleiterinnen der Aphrodite erschienen, welche recht eigentlich die Frühlings- und Blumengöttin war, in gewissem Sinne auch als Gaftengöttin''*) bezeichnet werden kann. Nach der Sage hatte sie, wie die Fragmente der Kyprien zeigen, auf der ihr geheiligten Insel Kypros die Myrte, Rose, ®^) Paus. II, 24, 6. oXiyov de ccTtioTeqio ev 6e§i^ rtg odov (zwischen Argos und Tegea in Arkadien) Xäov eariv oQog ovouagöf^ievov. vtio de aiTv/ dtvöga TtfCfVASv r^fieqa. «*) Paus. IX, 28, 1. 'O de '^EXiy.iov oqöjv tvjv ev r?j '^EX'käÖL ev rolc iiäXioiä eoTiv eiyeutg -/ml devöqtov r^fuegiov avaTiXeiog. /.ai oi trg ccvÖqccxvov d^äf.tvoi naQexovcai rCov navTct/ov 7.aQ7t6v ai^iv ißiOTOV. Die letzten Worte schliessen wohl nicht aus, dass die Früchte des Erdbeerbaumes auch von den Griechen selbst gegessen wurden. "*) Paus. VIII, 42, II. T« de ctno ribv devÖQiov r&v i /jeQiov rä re äXXa '/.ai a.(.i7zekov VMQTtov . . . Tid-eaGiv eni rov ßto/Liov. VIII, 37, 7. T(7>v de ifiegcov o'i '^Q/.adsg devdQiov ctTtavxojv TtXi^v ^lag eay,ouiüovotv eg xo 'leqöv. ") Plut. Symp. 5, 1. Kai Ilooeidcövl ye (pvzaXfjitij, JiGviaci) de derdgirrj ytavreg log l'nog eiTtslv "EXXr^veg drovoiv. Vergl. Pind. fr. 22 (118) Dissen devdqeojv de vofjov Jiovvoog TtoXvyad-i g av§dvoi. Dionysos devogirr^g schützt z. B. den heiligen Ölbaum der Athene gegen den Angriff des Poseidon auf dem oben Note 58 angeführten Vasenbilde nach der Deutung von C. Robert, Hermes XVI, 60 ff. Vergl. Baumeister a. a. 0. Seite 1394. ") Paus. IX, 25, 1. afaieXov de rfZvai fxev oi Q)ßaloi rcaqa Offioi Ttgairoig (paaiv avd-gutTtcov, ce7tot-:<'J-.-(^..' * ■■■>: >!*^**^"^c• .v-v'^v,'- , ■ ... •'■^.•.•' ■■: Aiiemoue, Granate 'und Tamariske entstehen lassend Blumenschmuck^') aller Art und Blumendoft umgab sie und die genannten Bcgleitorinneu. Somit regte sie zur Kultur der zarten Blumen und Btütensträncher au. Ganz l)esonders bei ihrem Kultus, aber auch bei dem andrer Gottheiten, namentlich der weiblichen''^), bei den vielen heiligen Festen aller Jahreszeiten wurde eine grosse Menge Blumen zur Schmückung der festlichen Tempelräume und Hallen, zur Bekränzung der Priester, Priesterinnen und aller andren bei den Opferieierlichkeiten und Festzügen beteiligten l^ersqnen gebraucht. Daher hat auch der Tempelhof innerhalb der Umfassungsmauer den ..^mpeldieuern zur Blumenzucht gedient, sodass man in gewissem Sinne von Tempelgärten ^rechen kann. Oft aber sind wohl auch die Haine, welche die Tempel umgaben, zur Anpflanzung von Blumen und blühenden Sträucheni benutzt worden. Strabo berichtet, dass er in der Küstenebene von Elis, nahe der Mündung des Alpheios, eine Menge Tempel, besonders solche weiblicher Gottheiten, der Artemis, der Nymphen und der Aphrodite, von „ Blumenhainen '^ umgeben gesehen habe"). Leider haben wir keine andren ausführlicheren Nachrichten über diese mehr gartenartig angelegten und ausser mit Blumen wohl auch mit blühendem Buschwerk und feineren Blütensträuchem gezierten Tempelhaine. Thatsächlich aber zeigen wohl diese „Blumenhaine" in Elis, dass die Begriffe „Hain" und „Garten" auch auf griechischem Boden sich näherten und nicht völlig zu trennen sind. Somit erscheint dem Verfasser auch vom Standpunkt des Altertums aus die Berechtigung gegeben zu sein, „Haine" und „Gärten" zusammenfassend zu behandeln, wie ja auch nach heutigen Begriffen Gärten aller Art, Parks und selbst ausgedehnte Landschaftsanlagen als zusammengehörige Objekte der höheren Gartenkunst betrachtet werden. Wenn bei der folgenden Zusammenstellung auch auf die übrigen Zweige der Gartenkultur einigermassen Rücksicht genommen worden ist, so geschah dies aus dem Grunde, weil eine höhere Gartenkunst bei allen Völkern erst allmählich sich aus dem in Anschluss an die Feldwirtschaft entstandenen, auf das Nützliche gerichteten Garteubau entwickelt hat. Dass man aber im griechischen Lande von dem Gartenidoal die Vorstellung hatte, dass sowohl herrliche Früchte als auch liebliche Blüten- und ßlumenpracht dort gedeihen müssten, zeigt zunächst der uralte Mythus von dem Garten der Himmelskönigin Hera, zu deren Hochzeit mit Zeus die Erde (Gaia) den Wunderbaum mit den goldenen Früchten hervorbrachte, die dem Schutze der hesperischen Nymphen anvertraut wurden. Ein weiterer Beweis dafür liegt in dem Bilde, welches die Sage von den Inseln der Seligen entwarf. Wir kennen es aus dem 2. olympischen Gesänge Pindars, welcher den Sieger mit folgenden Worten zum Hinblick auf ein seliges Leben zu veranlassen sucht: .■ini '*) Einen Veilchenkranz trug sie nach dem ihr gewidmeten homerischen H3rmnus, wo sie (Hymn. VI, 18) ioaz£q>avog Kvd-eQeir^ heisst. Dies ist übrigens die einzige Stelle der homerischen Ges&nge, in denen Kränze aus Blumen erwähnt werden. "1 Über Lilien und Narzissen im Demeterdienst vergl. Archäolog. Zeitung XLI, Seite 226. ") Strabo VIII, 3, 12. ytgog öi rf l'/.ßoXli, xo rr^g \iX(peioviag ^äQrtefiidog V ^AX(feiovoi)g aXoog fdvi utaxi d' eaxiv r yli näoa l^orre/niaiiov xe y.ai l4cpQodiaiajv '/uti Nvii(pauov iv aXaeotv av&f.iov [rtXiJiijg xo rtoXv diä xrv evvÖQiav. ?''5t -fi;:}- >-.i^; 17 v:^': :;„;^ #*r?:^^iriv' Tv"--"^ J - : <- ■ V- Aber wer von Schuld und Fehle rein bewahrte seine Seele, < Wer zum dritten Mal bestand, hier und dort im Schattenlaud, Wandelt frei auf Jovis Pfade nach Saturnus hohem Bau, Wo um selige Gestade kosen Luft und Wellentau; Wo der Farbenschmelz der Dolde funkelnd glüht im Blumengolde, Aus des Baumes stolzer Höh' sich am Festland von den Zweigen Goldne Blütenkelche neigen, Blumengold entspriesst der See. Festgewinde, bunte Kränze windet draus die fromme Hand Vor dem treubewährten Richtertribunal des Radamanth '^8). '^>^ Die Haine der früliesten Zeiten. Da die monumentalen Quellen der Altertumskunde in viel frühere Jahrhunderte hinauf- reichen als die litterarischen," so werden wir natürlich zunächst die Resultate der Ausgrabungen Schliemanns und seiner Nachfolger auf den Akropoleu der Ebene von Argos und auf troischem Gebiete befragen, ob sie für Veranschaulichung unsres Gegenstandes irgend einen Anhalt bieten. Aber weder die Pergamos auf Hissarlik noch die gewaltigen Bauten, die ein altes Geschlecht vor der dorischen Wandrung in Tiryns und Mykenae errichtet hat, zeigen die Spuren eines Tempels oder irgend welches Mauerwerk oder auch nur Steinanhäufungen, welche für Reste der Einfriedigung eines heiligen Haines oder einer den Göttern geweihten Flur erklärt werden könnten. Dagegen geben für den Kultus in den Hainen der frühesten Zeiten die Ausgrabungen in Olympia und auf Kypros, wenn auch nach andrer Richtung hin, einigen Aufschluss. In der Nähe der Altarunterbauten und der Plätze, wo Altäre errichtet gewesen sein müssen, hat man nämlich grosse Mengen von kleinen Figuren aus Thon und aus Bronze gefunden, welche eine andre Deutung ihrer Bestimmung nicht zulassen, als dass sie teils an und auf den Altären niedergelegt, teils, da sie Löcher für Bänder und Schnüre zeigen, als Weihgeschenk an den danebenstehenden Bäumen des heiligen Haines aufgehängt waren. Und so dürfte Ad. Bottich er '^^) wohl mit seiner Darstellung das Richtige getroffen haben, wenn er erst im allgemeinen schreibt: „In frommer Verehrung oder mit hoffender Bitte um den Schutz der Gottheit ist hier ein Geschlecht, von dem wir geschichtliche Kunde nicht besitzen, den Altären genaht und hat sein eigenes Bildnis, das seiner Lieben und seines Besitztums, seiner Rosse und Rinder, seines jagdbaren Wildes, als Weihgeschenk auf ihren Stufen niedergelegt oder, uralter Sitte***) gemäss, an den Zweigen der Bäume aufgehängt, deren Wipfel die heilige Stätte beschatteten". Ebenso gilt das an einer späteren Stelle von Ad. Bötticher*\) "*) Moritz Schmidt a. a. 0. Seite 15 f. '^ Olympia, das Fest und seine Stätte, Seite 172. Die Figuren Nr. 21—26 dieses Werkes geben Abbildungen solcher Funde, nämlich von Thon: ein Rind, einen Hirsch und einen Löwen; von Bronze: ein Pferd, «inen Wagenlenker, einen Krieger in Waflfenrüstung. Vergl. Furtwängler. Bronzefunde aus Olympia, Abhandlung der Berliner Akademie der Wissenschaften 1879. ***) Dass Phrixos das goldene Vliess des Widders an der heiligen Eiche im Haine des Ares in Kolchis Aufhängt, ist wohl ebenfalls ein Beispiel für diese alte Weise des Kultus. Dargestellt ist dies am Baume hängende Widderfell auf einem Vasenbilde mit der Beischrift von Jasons Namen, abgeb. Welcker. Alte Denkmäler III, Taf. XXIV, 1, danach bei Baumeister, Denkmäler, Abb. 129. *') a. a. 0. Seite 190. Grundlegend war die Arbeit von E. Curtius, „die Altäre von Olympia". Abhandlungen der Berliner Akademie der Wissenschaften 1881, Seite 9—12. ' ■-^r« --t:i "4. ■^ .-**" r ^-^lAj 18 . : >!:;. zunächst mit Beziehung auf das älteste Heiligtum von Olympia Gesagte wohl auch für andre Kultusstätten der frühesten Periode: „Ein einfach umfriedigter**) Hain schattiger Bäume, ungeregelt gewachsen, wie die Natur ohne Beihilfe der Menschenhand ihn geschaffen; dazwischen Lichtungen mit rauchenden Altären, die auf einem Unterbaue von rohen Feldsteinen aus den Knochenresten und der Asche der Opfertiere erwuchsen; diese Stätte dann umstanden von grossen ehernen Dreitüssen, bedeckt mit unzähligen kleinen Weihegaben aus Bronze und Thon; in den Zweigen der Bäume, an Schnüren und Bändern hängend, mächtige Kessel und Becken, kleinere und kleinste Gaben frommer Verehrung, im Winde bewegt und aneinander klingend, wie die weissagenden Becken in den Eichen von Dodona". Vorvollständigen können wir uns dieses Bild in der Phantasie dadurch, dass wir auch Kränze und Binden wie an den Altären, so auch an den Bäumen zuweilen angebracht denken, da viele auf den Baumkultus bezügliche antike Darstellungen diesen Schmuck zeigen. Diese ganze Weise der Schmückung der Bäume hat natürlich auch der Landschaft einen eigentümlichen, uns befremdenden Charakter aufgedrückt**'). Sie scheint sich aber bis iu die homerische Zeit erhalten zu haben. W. Heibig**) giebt' nämlich den interessanten Hinweis auf zwei homerische Stellen, welche die Erinnerung an diese früheste Kultusweise zeigen. Eine der beiden Stellen, welche man auf die alte Sitte des Aufhängens von Weihgeschenken an Bäumen eines heiligen Haines beziehen darf, findet sich in der Odyssee bei der Erzählung von der Entführung der Klystaimnestra durch Aigisthos. Dabei verbrennt letzterer den Göttern zu Ehren auf ihren Altären viele Schenkelstücken von Opfertieren und hängt viele Kleinodien, Gewebe und Goldsachen auf*^). Die andre Stelle bietet die Ilias bei der Schilderung des Aufenthaltes der Achäer iu Aulis und zeigt, dass man eben unter Bäumen, wie der herrlichen Platane in Aulis, die Opfer darzubringen pflegte**^). Die Zahl der Baumgattungen, deren Namen sonst in den homerischen Gesängen vorkommen, ist zwar ziemlich gross, doch geschieht ihrer bei den Götterhainen nur selten Erwähnung. Der Hain des Apollo zu Isniaros im Kikonenlande, den sein Priester Maren bewohnt, wird baumreich *^), der Apollohain auf Ithaka wird schattig*"*) genannt, ebenso der auf Delos*"*). Nur die Pracht des Gesamteindruckes wird hervorgehoben bei dem schon früher erwähnten Hain des Poseidon zu Onchestos^*'). Bei Erwähnung der Dryaden als Hainbewohnerinnen ^^) ist eine bestimmte Baumart ebenfalls nicht angegeben. **) W. Heibig, das homerische Epos aus den Denkmälern erklärt, Leipzig 1687, Seite 417, nimmt auch bei den Hainen homerischer Zeit nicht immer eine Einfriedigung an; wenn das berechtigt ist, gilt es für die noch frühere Epoche ebenfalls. ") Vergl. Karl Wörmann, die Landschaft in der Kunst der alten Völker. Eine Geschichte der Vorstufen und Anhänge der Landschaftsmalerei. München 1876, Seite 9Ü. »*) a. a. 0. Seite 420 und 421. "^"i Od. III, 273. jiokXu 81 i-ir^Qi^ e'yn^e d^eiov /e^oli,' f^rf ßvjfioli^, TToA^ci iV uyaX(.iaT^ avlilitv, i(fao/iiacd le xQvaov re. *'') II. II, 305 '^i"€'t." d'af^ifpl TteQi /.Qi^vi^v 't£goi\; /.ata ßojf.toi(J: fQÖOfiev ai^avaToiaiv TeXr/ooac r/aroinßag, Mt)J^ \:7io :cXaravi'onit, oO-if qtev ayXaov löioq. ^ «^ Od. IX, 200. ") Od. XX, 278. ^^■■>^ Hymn. in Apoll. 384; vergl. ebenda vs. 7G, 143, 221, 245, 384. »») II. II, 506. Hymn. in Mercur 186. . ' - 8») Od. X, 350. II. XX, 8. p'>:v-.y;^»v.«»Ä^. • 19 Ein wenig mehr gesagt wird von dem der Athene unweit der Phaiakeustadt geweihten Haine; er wird von Schwarzpappeln gebildet', birgt in sich eine Quelle und ist TOn einer Wiese umgeben^*). Ebenfalls aus Schwarzpappeln, zu denen sich Weiden gesellen, bestehen die Haine der Persephone am Rande des Okeanos, wo Odysseus den Eingang in die Unterwelt nach Kirkes Angabe finden soU*^). Ein noch anschaulicheres Bild aber gewährt die Odyssee von einem kleinen, den Quellennymphen nahe bei Ithaka geweihten Haiue. Ein frischer Quellbach stürzt von einem Felsen herab; sein Wasser haben drei ehrsame Ithakesier in einen zierlichen Brunnen gefasst und rings im Kreis um ihn Schwarzpappeln gepflanzt. Am Altar, der auf einer Erhöhung neben der Quelleneinfassung errichtet ist, pflegen die Vorübergehenden ihr Opfer darzubringen***). Von den von den homerischen Sängern erwähnten Weihfluren werden wir die des Hermes auf dem Kyllenegebirge in Arkadien wegen des Waldreicbtiims dieser Landschaft, besonders in alten Zeiten, wohl als Hain denken dürfen^^). Genannt wird femer eine Weihflur der Demeter bei Pyrasos in Thessalien, wo später Strabo einen Demeterhain vorfand ^•'j. Auf dem Gargarongipfel des troischen Berges Ida war dem Zeus ein Altar und eine Weihflur gewidmet ^^), dei' Aphrodite eine solche in Paphos auf Kypros''*). Anfänge des Gartenbaues, Obst- und Weinpflanzungen in der liomerischen Zeit/^) Wie es wohl bei allen Völkern der Fall gewesen ist, so hat auch in Griechenland der Garten ursprünglich denjenigen Teil des angebauten Feldes gebildet, welchem man grössere Sorgfalt und Pflege und dann auch besondren Schutz durch irgendwelche Einfriedigung zuteil werden liess^""). Dies zeigen einige homerische Ausdrücke, welche mehr im allgemeinen „Fruchtland" und »-; Od. VJ, 291; vergl. vs. 321. »») 0(1. X, 509. ") Od. XVII, 205. aareog tyyvg toav, vmi eni /^tvi^v aq^i/.ovco, TV/.Tiv vmX'Kiqoov, od-€v vöqevovto TioXirai, Tt^v TTOiTja'' ''l&a/,og y,al Ni^Qizog i-di noXc/.TC'jQ, aucpi d' ag' aiyeiQOJV cöaroTQeq^Hov y (i?Mog TidvtoOE y.vy.XoreQ€g, /mtcc di xpvxqov Qtev vd(OQ t'i/'6^€v eA ntxQtß. ßiüi.i6g ö^£q)V7reQd-e reTvy.TO vuucf'äiov, 0^1 Ttavreg e7ti^qtt£0/.ov od'irai. "*) Hymn. in Pan. 30. y.ai^ q oj'' f:g ^^QAadir^v TtoXvTtida/M, /.ti^riga tn'liov, f^/xer', tvi^a ze o'i reuevog KvXh^viov laviv. ■•'«) II. II, 696. Strabo IX, 5, 14. Vergl. oben Note "40. «') II. VIII, 47. »8) Od, VIII, 362. ^) Obwohl die homerische Zeit drei bis vier Jahrhunderte umfasst (Heibig. das homerische Epos, Seite 1 , erklärt sein Einverständnis in dieser Beziehung mit Wilamowitz-MöUendorf, homerische Untersuchungen, Berlin 1884) und obwohl gerade die Gartenbeschreibung, besonders die den Alkinoosgarten betreffende, zu den allerjüngsten Bestandteilen der Odyssee zu rechnen sind, so schien dem Verfasser nach diesem Hinweis ein weiteres Eingehen auf die honferische Frage, eine Scheidung einer früheren und späteren Entwicklungsstufe, nicht nötig zu sein. "") F. Cohn, die Gäi;ten in alter und neuer Zeit, in der Deutschen Rundschau 1879, Bd. V, Seite 250 ff. hat wohl nicht unrecht, wenn er meint, dass von dem ursprünglich allen gemeinsam gehörigen Land dasjenige Stück zuerst als Privateigentum abgegrenzt wurde, welches der Einzelne mit ganz besondrer Mühe im Schweisse seines Angesichts sich ertragfähig gemacht hatte. 8* 20 ■ I „Pflanzung" 1"') bedeuten, aber doch neben dem Worte „Garten"^"*), welches in der klassischeu und späteren Zeit allein gebräuchlich blieb, augewandt werden, um die mit Sorgfalt gepflegten, gartenartigen Anpflanzungen von Obstbäumen, Reben und Gemüse zu bezeichnen. Mau kenut die Umzäunung mit Dornhecken '^^), aber auch die rings den Garten umgebende Mauer bei der luxuriöseren Anlage eines Königspalastes ****). Wie eine der wichtigsten Arbeiten des Landmaunes in der reichlichen Zuleitung von Wasser in das bebaute Land durch Gräben und in deren Instandhaltung^"^) besteht, so fordert auch das Gartenland diese Fürsorge; daher ist der Garten des Königs der Phäaken von zwei Quellbächen mit Wasser versorgt. Nur gelegentlich, besonders in Vergleichen, werden in den homerischen Gedichten Gemüsepflanzen erwähnt, die Erbsen, Bohnen, Zwiebeln und der Knoblauch^"®). Die Möglichkeit, dass dieselben auch auf dem Felde gezogen worden sind, ist nicht ausgeschlossen; den Mohn aber bezeichnet die llias in einem Vergleiche ausdrücklich als Gartengewächs. Der Dichter "") Inbetrefl' der Bezeichnungen Goyarog, aXioi und ipviaXli^, vergl. Buchholz, homerische Kealien II, Seite 114 f. "^) Klnog wird von der Wurzel d/Mit — graben abgeleitet, vergl. Curtius, Grundzüge der griech. Etym. , 5. Auflage, Seite 149 und neben das althochdeutsche hof gestellt; Curtius a. a. 0. findet auch den Zusammenhang mit lat campus wahrscheinlicli ; diese allgemeine Bedeutung „Plan" findet sich noch bei Pind. Ol. III, 43. vergl. oben Seite 13. — Alle Klassiker brauchen aber das Wort in völlig gleichem Sinne mit unserm deutschen Wort „Garten"; noch Strabo XVII, 1, 5 bezeichnet die hängenden Gärten mit x^/mcrog xij/rog. Im übertragenen Sinne jede schöne, fruchtbare, gutkultivierte Gegend bezeichnend, braucht es Sophokles fr. 19, fr. 655. Pind. Pyth. 5, 31 VMJiov l-ifpQodi'rag (Cyrene^i und 9, 91 Jlbg xäyrov (Libyen), im bildlichen Sinne Plato Jon. p. 534 A Movaojv y.rrrog und ebenso Pind. Ol. IX, 27 Xagiron' /,cncog die Poesie. "">) Od. XXIV, 224. '"'') Die Beschreibung des Gartens des Alkinoos findet sich Od. VII, 1J2— 130: t'-AToad^ev d^aiXT^g lu'yag ogyarog nyyi i^vqmov rergayvog. ftegi d^(-'Q'/,og tXSjXaiai a(.i(poie.Qioi)^Ev. tvd^a ÖS devÖQsa jita/^a 7recfrv/.aoi Tt^XeOSojvia, 11& oyyrai /mI QOiai -/.ai iD^ltai aykaö/.aQ7roi ovKtai re yXv/.eQal /.ai fXaiai Tt^keO^ocoaai. täcov ov7cote 'A.aqTibg aicblXviai ovSi' cncoXeLcei, yeif.iaiog oldi i9-f^»c:, fTrerr^oiog. aXXä f^iaX' alei 'C.eq)vqu] Ttveiovoa xa //«' (piu, aXXa dt Tieooei. '^^ '^/Jf*? ^^'^' oyxvfj yt^Q(i(Jy.ei , f^n^Xov d^ercl /.ii^hit, airccQ e7ri arafpvXf ataq^vkr, mmov ö^i/rl avvnit i-yO^a de Ol rroAr/ap/rog aXcoi s^i'Ciorai, rig l'reQov /niv xhikorcedov A«rp«/< f.ri yiöqot Ttgoeiai t^e'klo»^ t-rtgag ö^ciga re igiyöiooiv, 1*^ akXag df igajitovai. 7iägoii^E öt r' ofitcpa/Jg eiaiv avd-og cttpieiaai , e'tegai d'v7ro.r€gy.('CovGiv. fv&a df /.ooftrjcal 7rgaaiai 7raga vei'aror ogyov 7Cttvioiai 7refpvaaiv, e7nj€tavbv yarbiooai. f.v de d(i') /.gTvai i iuev r' ara /.Üttov wcavra OMÖvaTui, /, ö^hegiod-ev V7i at?Jg oiöbv i'r^oiv :rgbg ööf^tov tj/'»^Aov, oi^ev rdgeiovio yroXlrai. ">") II. XXI, 257 ff. *•*) Die Stellen sind gesammelt bei Bucliholz a a. O. II, Seite 123 ff. :>'.-^-- *3-: vergleicht das zur Seite sinkende Haupt des von Teukros durchbohrten Gorgythion mit dem vom Regen beschwerten und daher sich seitwärts neigenden Mohnkopf im tiarten *"'), Wie hier von der Mohnblume nicht dio Rede ist, so ist überhaupt bei den homerischen Griechen von einer Blumenzucht keine Spur zu finden. Zwar pflücken die Jungfrauen auf den blumigen Wiesen die Lilie, den Krokus, die Hyazinthe, unter der nach Koch^***) eine Irisart zu denken ist, das Veilchen und die Rose^"^), die nur vereinzelt genannt wird; aber selbst Kalypso kultiviert sie nicht einmal bei ihrer anmutigen Grotte. Auch von Kränzen, zu denen man Gartenblumen gewunden hätte, wissen die homerischen Gesänge nichts^'"). Die Kultur der Gartenbeete, die in des Laertes und des Alkinoos Garten genannt werden, ist eben, wie sie unmittelbar an den Feldbau anknüpft, nur auf das Nützliche gerichtet. Dasselbe gilt von den Baumpflanzungen. In den Gärten jener Zeit spielt, nächst dem Weinstock, der Fruchtbaum die hervorragendste Rolle, wie auch Penelope den Baumreichtum in des Odysseus Garten auf Ithaka hervorhebt"'). Sein Vater Laertes besass auf seinem Landgute eine grosse Menge Rebstöcke, Apfel-, Birnen- und Feigenbäume, daneben auch Ölbäume. Als Knabe hatte einst Odysseus seinen Vater gebeten, ihm verschiedene Obstbäume des Gartens zu schenken. Laertes will&hrte dem Wunsche des lieben Sohnes und machte ihm ein reiches Geschenk: er gab ihm zehn Apfel-, dreizehn Birn- und vierzig Feigenbäume, von Rebgeländern sogar fünfzig ''*). Wenn Odysseus seinen Wunsch im Verhältnis zu dem Bestände der Pflanzung ausgesprochen hatte, so würden also die Feigenbäume die an Zahl überwiegenden, die Menge der Ölbäume aber sehr gering gewesen sein, da Laertes der Schenkung keine hinzufügt. Es würde dies zeigen, dass, wie auch sonst aus den homerischen Gedichten zu schliessen ist, die edle Olive nur eben als Gartenbaum in jener Zeit vereinzelt angepflanzt worden ist. Eine eigentliche Ölkultur war damals in Griechenland erst im Entstehen begriffen''^). Dieselben Fruchtbäume, welche Laertes besass, werden auch im Königsgarten auf Scheria genannt, doch kommt noch der Granatbaum hinzu. Das wichtigste Kulturgewächs aber war der Weinstock, den man nicht an Bäumen, sondern an Pfählen, häufiger aber, wie es scheint, an spalierartigen Geländern zog"*). Diese Winzerkunst' zeigt, dass man die Rebe, die auch als wildwachsend erwähnt wird, — auf der Ziegeninsel und an der Grotte der Kalypso, — schon lange richtig zu pflegen verstand. Die Bäume und Reiigeländer sind, wie sich das aus praktischen Gründen empfahl, in regelmässigen Reihen gepflanzt. Doch herrscht Ordnung in der ganzen Anlage, wie sie sich auch in der getrennten Pflanzung der verschiedenen Obstgattungen geltend macht. Odysseus hebt es in seines Vaters Garten rühmend hervor, dass man allen Gewächsen und Bäumen die auf sie verwendete sorgfältige Pflege wohl ansähe''^). Man erfreut sich am Anblick der glänzenden 1") 11. VIII, 306-308. »<«) Dendrologie, Seite 49. *•*) Die Boss wird nur einmal in den homerischen Gedichten direkt genannt: Hymn. in Cer. 6; aber das der Morgenröte gegebene Beiwort ^ododoc'KTvXog läset schliessen, dass die Böse einigermassen verbreitet war; wenn auch nicht als Gartenblume. VergL Koch, Bäume und Sträucher, Seite 157 fF. "•) Die einzige Ausnahme siehe oben Note 75. •'•) Od. IV, 737. /.al (XOL •/.TTcov ijfet TToAudeVdpcov. "*^ Od. XXIV, 336—344. "») Vergl. V. Hehn a. a. 0., Seite 83 ff. "*) Im Weingarten auf dem Schilde des Achilles sind Beben an Pfählen gezogen. II. XVIII, 568. Da die Gartenbeschreibungen der Odyssee jüngeren Datums sind, so könnte man also in der That in den Spaliergel&ndem einen Fortschritt einer spätren Zeit gegenüber der Anwendung der Pfahle erblicken. >'•) Od. XXIV, 247. ae^ff^m-^ ■ ■ ,.• ^-.^^ j-> .^■••■s,- 22 .' .■ ''''KX Früchte und „schwärzlichen Trauben"'*^) und au der Fruchtbarkeit überhaupt Der Dichter der Beschreibung des Gartens des Phäakeukönigs hat dieselbe noch ins Märchenhafte übertrieben, als könne ein fortwährendes Reifen von Trauben, Birnen, Äpfeln, Feigen und Granaten das ganze Jahr hindurch stattfinden ^i^). Er hatte ja überhaupt den Zweck, das Leben der Bewohner von Scheria als ein müheloses, sorgenfreies und glückliches zu schildern, wozu die üppige Vegetation mit dem Reichtum an Früchten nicht wenig beitrug. Die Mittel aber, die Fruchtbarkeit zu erhöhen, kannten die homerischen Griechen sehr wohl: die Fürsorge für reichliche Bewässerung, das Umgraben rler Baumscheiben i***) und bei den Reben das Aufbinden und damit wohl auch den Schnitt *^^) derselben. Wohl nur um den eigenen Bedarf zu decken, treibt man Obst-, Wein- und Gartenbau, aber man treibt sie mit Vorliebe. Der Weingarten ist zur Zeit der Weinlese nach der Arbeit, die sie für Jünglinge und Jungfrauen bringt, der Ort fröhlichen Tanzes beim hellen Klang des Kitharspiels^^"). Der Baumgarten, wohin ihm schon als Knabe sein lieber Odysseus gefolgt war, ist dem alten, schwergeprüften Laertes nach dem Verluste dieses liebsten Pfleglings der Aufenthaltsort, wo er über thätiger Fürsorge für andre Pfleglinge den Gram und Schmerz zu lindern sucht, wo er auch, als er eben den Boden um einen jungen Obstbaum lockert, die beglückende Freude des Wiedersehens erlebt. Ein homerischer Naturpark. Bei der vom Dichter beschriebenen Grotte mit ihrer waldigen Umgebung auf der Insel Ogygia^2i) jg^ nicht an eine gartenähnliche Anlage zu denken. Sonst müssten sich in dem homerischen Gesänge irgendwelche Andeutungen dafür finden, dass von Menschenhand hier Pflanzung und künstliche Herrichtung der Felsen zu einer Grotte vorgenommen worden sei. Es würde also der Schluss, dass man bereits in homerischer Zeit durch irgendwelche Anordnung des von der Natur Gebotenen einen ästhetischen Eindruck hervorzubringen beabsichtigt und verstanden hätte, ein unberechtigter sein, da auch sonst nirgends die homerischen Gesänge Andeutungen und Analogien daiür aufweisen. Wohl aber findet die Freude an dem, was in der schönen Natur das Auge wohlthuend berührt, ihren unverhohlenen, naiven Ausdruck. Denn wenn "") 11 XVIII, 562. St. John, The Hellenes, the historv of the mannörs of the ancieiit Greeks, London 1844, pg. 335 — 361 giebt über den Weinbau aller Zeiten im alten Griechenland viele gute Nachweise. "') K. Koch, Dendrologie, Seite 51 t. ist wohl viel zu weit gegangen, wenn er die Worte Od. VII. l'iOlf, dahin deutet, dass man damals .schon eine grosse Menge Sorten von Äpfeln und Birnen, Sommer- und Winterobst, welches erst durch Lagern die richtige Reife erhält, gekannt habe. Auch würde dann das Moment des märchenhaft Wunderbaren wegfallen. Wenn der Dichter der Stelle durch Hörensagen von der üppigen Fruchtbarkeit des Orients Kenntnis hatte, so Hesse sich vielleicht eher daran denken, dass ihm diese vorgeschwebt habe. "*) Od XXIV, 227. Cicero de senectute 15, 54 hat bekanntlich das Xiargereiv irrtümlich als Düngen aufgefasst, während dies überhaupt für den homerischen Obst-, Wein- und Gartenbau nicht ausdrücklich bezeugt, aber kaum zu bezweifeln ist '"> Paus. II, 38, 3 erzählt, dass man in Nauplia in den Felsen das Bild eines Esels gelianen habe und zwar zur Erinnerung daran, dass ein Esel einst dadurch das Beschneiden des Weinstocks gelehrt habe, dass er eine Weinrebe desselben abgefressen und dadurch einen reichlicheren Ertrag des Weinstocks herbeigeführt hatte. Diese alte Sage zeigt, dass der Weinschnitt wohl seit sehr frühen Zeiten ausgeübt wurde. •«»; 11. XVIII, 5. '-M Od. V. 63—77. ,^S5:'-^.:. ■?^>-i- ■'■:■■■ ■'■■.■r-: : * 'yf^fTW-' ■■■■':■■■'. «3_ . ■ ' •• auch die Griechen jener Zeit eine höhere Gartenkunst nicht kannten, so wussten sie doch die von der Natur geschmückten Plätze ihres schönen Landes g^ wohl zu schätzen und zu würdigen. Hält doch selbst der Götterbote, als er durch die Lüfte Äahergeeilt ist, auf seinem Wege zur Kalypso inne, um staunend das liebliche Landschaftsbild Ju betrachten. Die Grotte selbst wird als weit und geräumig geschildert, so dass sie einen bequemen Wohnraum bietet für die Nymphe, welche Hermes am Webstuhl singend beschäftigt findet. Ein kräftig wuchernder Weinstock hat sich mit seinen üppigen Reben um den gewölbten Eingang gerankt, goldige Trauben blicken in reicher Fülle unter seinen frischen Blättern hervor. Durch dies dichte Laub können die Strahlen der Sonne nicht in die Grotte gelangen, aber sie bringen die Trauben zur Reife und locken einen würzigen Harzduft hervor aus dem Haine schlanker Cypressen *2Ä^ welche hinter und neben der Grotte emporragen und zum Genuss des kühlen Schattens einladen. Dieser dunkle W^aldesrahmen des romantischen Felsgebildes hebt sich kräftig ab gegen die zu beiden Seiten ausgebreiteten, frischgrünenden Wiesenteppiche, wobei PappeK und Erlengruppen mit ihrem hellem Laubwerk den vermittelnden Übergang bilden. Sie begleiten auch die Ränder der plätschernden Wiesengewässer. Denn die mit Veilchen und Eppich geschmückten Matten verdanken ihren saftigen Graswuchs vier muntern Quellbächen, welche in mannigfachen Windungen der Felsgrotte sich nähern, um der Bewohnerin ihr kühles, klares Wasser anzubieten und sich dann unter Erlen- und Pappelgebüsch am nahen Ufer ins Meer zu verlieren. So bildet das Ganze eine liebliche, friedliche Waldeinsamkeit, belebt durch eine muntere Vogelwelt, deren zahlreiche Vertreter sich auf den Bäumen angesiedelt haben und, ihre Nester umkreisend, gar deutlich ihre Stimmen vernehmen lassen. Haine und Weilifluren der nachhomerischen Zeit. Wenn auch Strabo und Pausanias, deren Zuverlässigkeit in den Reiseberichten übrigens ausser Zweifel steht, viel spätren Jahrhunderten angehören als die sogenannte klassische Zeit des Griechentums, so sind wir doch einerseits für unser Thema ausser spärlichen Notizen bei andern Schriftstellern auf ihre Angaben augewiesen. Andrerseits aber wurden gerade Kultuseinrichtungen jeder Art, wie bei allen Völkern, so auch bei den Griechen, mit solcher Treue festgehalten, dass die Tradition später Zeiten als dem Ursprünglichen gleich betrachtet werden kann. Dazu kommt, dass Haine und Weihfluren ähnlich den Werken der Architektur Jahrhunderte an sich schon überdauern, wenn nicht kriegerische Verwüstung sie soweit vernichtet, dass nur ihre Stätte bleibt. Dann ist aber eben wenigstens der öde „Bezirk" derselben in den meisten Fällen bekannt geblieben. Es ist auch nicht zu bezweifeln, dass die Gründung vieler Haine und Weihfiuren in sehr frühe Zeiten zurückreicht, ohne dass sie in den homerischen Gedichten erwähnt werden. ''") Buchholz, Realien II, Seite 131, sagt in seiner sonst anziehenden Besprechung: „Und inmitten dieser üppigen Waldung mit ihren mannigfachen Schattierungen von Grün, ihren schattigen und kühlen Laubgewölben, ihrem melancholischen Cypressendunkel dehnt sich in anmutigstem Kontrast eine lachende Blumenmatte aus . . ." Hierbei möchte bemerkt werden, dass der homerische Sänger doch wohl das Moment des Melancholischen bei den Cypressen hier in dem „lieblichen Gemälde frischer Waldnatur", wie es Buchholz selbst bezeichnet, gamicht hat hervortreten lassen wollen, da auch eine Motivierung sich nicht linden lassen würde. — Inbetreff der noch unbewussten Liebe zu den landschaftlichen Reizen der Helden der Ilias, vergl. Karl Wörmann, Über den landschaftlichen Natursinn der Griechen und Römer, Vorstudien zu einer Archäologie der Landschaftsmalerei, München 1871, Seite 17; und inbetreff der Schilderungen der Odyssee ebenda, Seite IS f. f^.*' ■ • •. ■■■■:■ '■ .■■■^•^' Zu diesen gehört der von Hesiod erwähnte Hain des pagasäischeu Apollo in Pytho, in der Nähe des spätem Delphi ^*ä). Sodann darf aber wohl der Hain der Eumeniden im Demos Kolonos bei Athen zu denen gerechnet werden, welche den Charakter der Urzeit infolge der Unbetretbarkeit im wesentlichen behalten haben. Bei den Götterhainen, bei welchen die Baumgattung genannt wird, ist das Laubholz das vorherrschende. Von Nadelholzbäumen kommen nur Kiefern und Cypressen als zu Hainen vereinigt vor. Von den aus einer Kieferngattung, wahrscheinlich der Strandkiefer i**), bestehenden Hainen ist auch nur einer nachweisbar, der des Poseidon auf dem Isthmus von Korinth. Dass wir ihn uns als Fichtenhain ^ ^°') vorstellen, hat seinen Grund in der unrichtigen Übersetzung der griechischen Bezeichnung der Baumart. Fichten (Rottannen) kamen und kommen überhaupt nicht in Griechenland vor^'®). Aus Kiefern also bestand der Hain des auf dem Isthmus durch die bekannten, in zweijähriger Wiederkehr gefeierten Spiele geehrten Poseidon. Die genannte Baumgattung fand sich gerade auf dem Isthmus und überhaupt sonst sehr vielfach im Innern wie besonders auch an den Küsten Griechenlands. Wird man also ursprünglich den Waldbestand, wie er sich vorfand, dem Meeresbeherrscher geweiht haben, so schliesst das nicht aus, dass in spätrer Zeit, als der gewaltig grosse Tempelhof mit den festungsartigen Mauern gegründet wurde, so dass auch noch andre Tempel ausser dem des Poseidon dort Platz finden konnten'^''), eine Pflanzung regelmässiger, den Tempelsäulen entsprechend stehender Baumreihen vorgenommen wurde. Strabo^*^) bezeichnet den Tempel als von Kiefern überwölbt, Pausanias ' *^) hebt die '"') Vergl. oben Note 49. ***) E. Curtius, Peloponnesos II, 595. Anm. 88 bemerkt, dass die Strandkiefer pinus maritima mit dürrem Boden fürlieb nimmt, meist krüppelartig, bd geschütztem Standort auch in hundert Fuss hohen Stämmen vorkommt. Während Heldreich und andre neuere Botaniker auf die üntersclieidung dieser Varietät (pinus maritima Larab.), von der Aleppokiefer (pinus Halepensis) verzichten, hebt Neumann -Part seh a. a. 0. Seite 366, Anm. 1 hervor, dass der höhere, geradere Wuchs, sowie die bedeutend grössere Länge der Blattnadeln die Strandkiefer auszeichne und ihre Sonderung von der Aleppokiefer auch für den praktischen Forstmann nicht schwierig zu sein scheine. '*•) Schiller schloss sich der landläutigen Übersetzung von Ttivvq an. Über die antiken Föhrenarten und ilire Namen (TziTvg und 7cev/Jj) schrieb zuerst Theophrast histor. plantar. III, 9, 4. An ihn knüpfen an V. Hehn, Kulturpflanzen, 5. Auflage, Seite 241 f. — K. Koch, Bäume und Sträucher, Seite 28— .SO. Dendrologie, Seite 343 und 385. — Neumann-Partsch, Physikal. Geogr., Seite 366 f.. mit der wohl richtigen Anmerkung 2: ,,Über die antike Nomenclatur der Kiefernarten wird man schwerlich je volle Klarheit gewinnen, einfach deshalb, weil diese Klarheit bei den Alten selbst nicht vorhanden war". ^**) Vergl. Neumann-Partsch a a, O., Seite 368. — K. Koch a. a. 0., Seite 27. — Übrigens beweist die Sage vom Sinis, der nach Strabo IX, 1, 4 und Paus. II, 1, 4 in jener Gegend sein Wesen trieb, dass gerade die Föhren im korinthischen Gebiet häutig vorkamen. "') Vergl. Bursian a. a. 0. II, Seite 21 und Tafel I. 1. Plan des isthmischen Heiligturas. '■*) VIII, 6, 22. 'EttI öi TÖ 'loS-f^iot Aal ro vov 'l^f.iiov Iloaeidiljvog uqov aXaet niTViodei oirr^QEfpig, 07T0V tov ayü/va zun' 'lad-ftiiov Koqivd^ioi awereXow. '") 11, 1, 7. ^EXd^ovri di eg rofv d-eot ro leqbv, tovto (.liv ctd'hjiCov vr/.r^aavTiov ra ^'lo&fiia iori'^aotv ely.oveg, tovvo dt 7ccriojv ötvöga eoxi 7C€cpvTevi.ieva ani oroixov ra /roAAa ig ev&v avxixßV avi^y,0VTa. — Wenn Bursian a. a. 0. II, 21 schreibt: ,, Alleen hochstämmiger Pinien bildeten einen würdigen Eingang zu dem Tempel des mit Kränzen von den Zweigen dieses Baumes die Sieger in seinen Festspielen lohnenden Poseidon", so ist zu bemerken, dass die Schriftquellen nicht nur vor dem Tempel Bäume kennen. Was sodann die Annahme der Pinien betrifft, so ist eine Pflanzung dieser Kiefergattung nur in den spätesten Jahrhunderten möglich, da die Pinie (pinus Pinea) verhältnismässig spät in Griechenland eingeführt wurde; vergl. K. Koch, *.J>jr^ Reihenpflanzung hervor und bewundert den schlanken Wuchs bei den meisten Bäumen. Zu seiner Zeit ist wahrscheinlich eine am Grestade auf dem Wege Ton Kromyon nach Korinth stehende Kiefer zum Brechen der Zweige fiir den isthmischen Siegerkranz benutzt worden^*"). ' Die Cypresse scheint am meisten in Argolis, Wälder bildend, vorgekommen zu sein, schon seltener in Arkadien und Phokis. In letztrer Landschaft war es die Stadt Oiantheia^*^), oberhalb deren ein mit Kiefern gemischter Cypressenhain einen Artemistempel umgab. In Arkadien stand, abgesehen von den früher genannten „ Jungfrauen "-Cypressen in Psophis um des Alkmaiou Grabheiligtum"*), ein dichtgedrängter Hain von Cypressen um das Heiligtum der Eurymone in Phigalia""). Im argivischen Gebiet war der Berg Lykone hauptsächlich mit Cypressen bewachsen, welche auch den Hain der Artemis um ihren Tempel auf der Höhe des Berges gebildet zu haben scheinen. In Titane bildeten Cypressen einen Tempelhain des Asklepios"*), in Mcmea einen des Zeus^'*), auf der Akropolis von Phlius einen der Ganymeda-Hebe^**). Am ausgedehntesten scheint der Kraneiou genannte Cypressenhain vor der Stadt Korinth selbst gewesen zu sein, da er eine Weihflur des Bellerophontes und einen Aphroditetempel umschloss ^^"'). In Messenien lag der dem Apollo geheiligte Hain Karuasion, der besonders an Cypressen reich war^**). Von den Laubgehölzen werden nur Eichen, Platanen und Ölbäume als Bestand von Hainen genannt. Vop den Eichen sind es die Scharlacheichen, deren Name bei zwei Hainen besonders angegeben wird. Es sind dies der Hermeshain bei Korseia in Böotien, wo sie mit andern Waldbäumen gemischt waren ^3''), und der Tempelhain der Eumeniden, unweit der Stadt Sikyon""). Nicht angegeben ist die Eichengattung bei zwei arkadischen Hainen, beim Hain um die heilige Grotte der Demeter Melaina auf dem Berge Elaion^*i) und beim Tempelhain der Demeter „bei den Korytheern"^*^). Riesenbäume sind die orientalischen Platanen, Ein mächtiger Hain von solchen zog sich bei Lerna im argivischen Gebiet den Pontinosberg bis zum Meer hinab, nach den darin Dendrologie, Seite 343, Bäume und Sträucher. Seite 28. V. Hehn a. a. 0. Seite 243. — Pausani&s V, 6, 4, nennt eine Kiefemgattung , die er in Triphylien sah, „wilde" Kiefer, eben des Gegensatzes wegen; dann ist zu seinerzeit die Pinie vielleicht doch auch auf dem Isthmos schon vertreten gewesen. An einer andern Stelle, II, 10, 3, spricht er von einem Kiefernzapfen, allerdings nur in einem Kunstwerk nachgebildet, in der Hand des Asklepios von Kaiamis; da bezeichnet er die Kiefer als r^egog, wo also an die Pinie gedacht werden kann. *•*•) Paus. II, 1, 3. Tiqo'iovai yaq r nirvg axQi te e/uov eTreqwxei naqu tbv alyiaXöv. "') Paus. X, 38, 9. *£v Oiav9^ei(f de ^Aq^^ixrß ve iegov, xot bXlyov v7reQ ziv nöXiv y.VTtaqioaov re avafxi^ xal i1]q Ttirvög eaviv akoog. v.ai vaSg re ^Qteuidog y.ai ayaX^a ev t(i ixXati. '") Vergl. oben Note 7. '*') Paus. Vm, 41, 4. '") Paus. II, 11, 6. »*) Paus. II, 15, 4. "*j Paus. II, 13, 3 ff. bemerkt, dass Gefangene, wenn sie in diesen Cypressenhain flüchteten, Schutz und Straflosigkeit fanden und nach ihrer Befreiung die Fesseln an den Bäumen aufzuhängen pflegten. "') Paus. II, 2, 4. "«) Paus. IV, 33, 4. •»») Paus. IX, 24, 5, vergl. Note 73, Seite 19, Anm. 1. "•*) Paus. II, 11, 4. (ey. 2i/.vöjvog . . .' aradiovg de 7tQoekd^oioiv, euoi öoxeiv, el'xoai yutl fv ctqtaxeq^ diaßaai xov^'AoiOTVOv eaviv akaog jtQivcov -mcI vaog &£(jjv ag l4d-r^valoi ^e^iväg, ^ly.t^wvioi de Evfieviöag hvo^aCovai. -Mixa de trog eviaotov eo^ri/v [uegq fui^ acpioiv ayovai d-vovteg TiQoßava fyAvofjeva, fxeXiAqäTiii de anovdii Mxi av&eoiv ctvti oreqxxviov xqla^ai vouiloloiv. '*') Paus. VIII, 42, l und' 12. "») Paus. VIII, 54, 5. 4 aufgestellten Statuen der Demeter Prosymna und des Dionysos zu schliessen, diesen Gk)tthefteii:' geheiligt 1*8). Dicht von hohen Platanen bewachsen war übrigens auch der nach ihnen Platanistas genannte, von einem Wassergraben umgebene, durch zwei Brücken zugängliche Platz in Sparta, wo die Epheben ihre Kampfdbungen anstellten"*^. Doch ist nicht überliefert, ob er ursprünglich einer Gottheit geweiht war. Von den Ölbaumhainen wurden die ältesten doch gewiss vom Oleaster, dem wilden Ölbaum, gebildet. Doch gab es ebenso Haine vom edlen Ölbaum, z. B. einen mit Altären des Gottes ausgestatteten Olivenhain des Asklepios in der lakonischen Stadt Epidauros Limera^'^), einen der Ino im attischen Megara^*^) und ferner auf Ägina einen dem Aiakos geweihten Hain**'), dessen quadratische Marmoreinfassung bereits erwähnt worden ist. Aus Oleastern bestand der nahe beim korinthischen Epidauros gelegene Hain der Hyrnetho, dessen Heiligkeit, wie schon oben gesagt ist, dadurch erhöht wurde, dass er, wie er keinen Tempel, keinen Altar umschloss und von keiner Einhegung begrenzt wurde, auch sonst den Charakter der Wildnis trug*^**). Sonst sind nur noch zwei Haine in Elis bekannt, welche wilde Ölbäume als Bestand zeigten. Der eine ist der Hain des samischen Poseidon auf einer Berghöhe, dessen Pflege zu Strabos Zeit, — er sah von der Stadt Samos nur noch Trümmer, — die Bewohner des Ortes Makistos übernommen hatten i*^). Der andre ist der bekannteste fast aller Haine geworden, der des Zeus in Olympia. Strabo berichtet nur, dass er vor dem Tempel liege und die Kampfbahn enthalte*^*'), Pausanias, dass sein Name Altis sehr alt sei'^') und dass er seine Gründung dem Herakles verdanke, eine Sagenüberlieferung, die mit der oben von Pindar angeführten übereinstimmt. Die Tempelweihflur mit dem Haine erhielt vielleicht zur Zeit des Baues des Zeustempels eine gemauerte Umgrenzung. Einer spätem Zeit aber gehört die durch die deutschen Ausgrabungen blossgelegte Altismauer an^^*). Da bekanntlich die Festspiele viele Besucher zunächst aus dem Peloponnes, später viele Tausende aus weiter und weitester Ferne herbeizog, ausserdem aber immer neue Gründungen von Altären und Tempeln andrer Gottheiten und von Schatzhäusern vieler griechischen Städte vorgenommen wurden, so reichte die ursprüngliche Weihflur des Zeus für alle die vielen und mannigfaltigen Anlagen nicht mehr zu, so dass auch '**) Paus. II, 36, 8; II, 37, 1. '**) Paus IJI, 14, 8, vergl. III, 11, 5. '**) Paus. III, 23, 7. '") Paus. I, 42, 7. '♦') Paus. II, 29, 6 und S. '♦«) Paus. II, 28, 3, vergl. oben Note 43. "') Strabo VIII, 3, 13. Elra rb dulqyov ^Öqo>^ ti^^ TgiqwXiag xiv MaMOziav cctio zrg Ihaäxidog .... y.al tu 2a(.iiv.ov /.lerä zavra, C7cov rb (.iccXiata xi(.i(!ji.iEvov tov ISafuiov Ilooetdcüvog ieQov. eati ö'cXaog ayquXmCuv yiXtiov. trtmtXovvTO ö'airov Ma'Morioi. ""^ Strabo VIII, 3, 30. tan d'iv xf TTioaxidi xb uqov, axadiovg xig ^'HXtdog eXaxxovg '»[ tQia'/.ooiovg dit^ov. 7TQ6-/.eixca S^aXoog ayquXauov , fv <^ xb oxadiov. Ttaga^ei <5'o ^AX(f>ei6g. "M Paus. V, 10, 1. rb df: aXaog xb legbv tov Jiög, TtaqaTioiioavtEg tb ovofxa, Z^Xxiv €x TxaXaidi '/.aXoioi. '/.al ör xal TIivöaQti) 7iouoavii eg avöga bXv/n7ciovr/,t^v (^af.ia ^L4Xxig STttovo^a- axai xb xioqIov. "*) Vergl. die Situationspläno nach den verschiedenen Ausgrabungscampagnen in dem Hauptwerke: Die Ausgrabungen zu Olympia, Berlin 1876 — 1881, 5 Bände, herausgegeben von E. Curtius, F. Adler, G. Hirschfeld, G. Treu, W. Dörpfeld. Die Dörpfeldsche Aufnahme nach Schluss der Ausgrabungen in: Die Funde von Olympia, Ausgabe in einem Bande, Berlin 1882, desgleichen bei Baumeister, Denkmäler, Tafel XXVI und bei Ad. Bötticher, Olympia, Tafel XIX-XX. ■^..^:^^^-i 1, /■<■;■• ,^-5-^;^.^,. •.,._-♦'.•■ • . '..••.. -27 '. ■ ■■'■■. ■ : V ^-r • ^ /' ■' ^ ' ■' M ■■ - . I - ■■ ■ t-7-.-V , . •; . weitere, aber mit Bäumen, besonders Silberpappeln, teilweise schon bestandene Teile ^'') der nächsten Umgebung mit einbezirkt worden sind. Bekanntlich haben alle Jahrhunderte griechischer Kunstentwickelung in Architektur und Plastik, auch in Malerei, zur Verschönerung und künstlerischen Ausgestaltung der zum gesamtgriechischen Festplatze gewordeneu Altis ihr bestes Teil beigetragen. Im Laufe der Zeit war die Fülle aller Bauwerke, Denkmäler, Siegerstatuen in Erz und Stein eine geradezu ausserordentliche geworden. Die alten Baumbestände, deren Schatten Pindar zu rühmtn weiss, sind aber doch als grünender Bahmen der Kunstwerke erhalten worden. Der alte Hain wilder Olivenbäume hat am meisten bei neuen baulichen Anlagen und bei Errichtung plastischer Werke weichen müssen. Denn der alte „Ölbaum der schönen Kränze", von dem die Zweige für die Sieger geschnitten wurden, wird von Pausanias^**) als einzelnstehender Baum vor dem Opisthodom des Zeustempels erwähnt. Er darf als Jahrhunderte lang durch besondre Pflege erhaltener Rest des immer weiter nach dem Stadion hin zurückgedrängten ursprünglichen Haines angesehen werden. Dass dann aber gelegentlich andre Bäume auf der erweiterten Zeusweihflur angepflanzt wurden, darf nicht bezweifelt werden. So ist auch der herrliche Platanenbaum durch Anpflanzung in die Altis gebracht worden. Pausanias^''*) sah das eherne Siegeszeichen der Eleer „unter den in der Altis befindlichen, Platanen etwa in der Mitte der geweihten Flur". Das schöne Schirmdach der Platanen wird neben andern Bäumen für die Schattenspendung besonders während der Festzeit hochwillkommen gewesen sein. Denn dass die Sonnenglut oft drückend in Olympia empfunden wurde, bezeugen ausser den Schriftstellern die vielfach verzweigten, bei den deutschen Ausgrabungen aufgefundenen Wasserleitungen. Hat doch noch Herodes Atticus dem P'estplatz durch Zuführung von Wasser einen grossen Dienst erwiesen. Die Bewässerungsanlagen mit den eingeschalteten Brunnen sind dann natürlich auch der Baum- und Strauchvegetation besonders in der spätem Zeit zu gute gekommen , als die vielfach vorgenommene Pflasterung der Tempelplätze und Strassen das Eindringen des Regenwassers hinderte. Bei den Ausgrabungen hat man vor der Ostfront des Zeustempels quadratische, mit Leisten umgebene Öffnungen im Marmorpflaster vorgefunden, welche mit Recht dahin gedeutet werden, dass Bäume in ihnen gestanden hätten. Ad. Bötticher hat wohl ferner ganz recht mit der Annahme, dass man auch die schlanke Palme in der Altis angepflanzt habe, weil sie nicht bloss in Delos, sondern nach Piiidars Zeugnis auch in Nemea, das ebenfalls im Peloponnes lag, gedieh. Pausanias^^*) fügt der Angabe der bei den verschiedenen Festspielen als Siegespreise üblichen Baumgattungen die Bemerkung hinzu, dass überall dem Sieger auch ein Palmenzweig in die Rechte gegeben werde. An einem Orte wie Olympia wird man nicht immer sich begnügt haben, die Palmenzweige von auswärts zu beschaffen. In der hellenistischen Zeit haben in Olympia gewiss auch die prächtigen Ziersträucher und Blumen, die aus dem Orient in Griechenland eingeführt wurden, nicht gefehlt. Und wenn Strabo, wie oben erwähnt wurde, an der Mündung des Alpheios Tempel in „Blumenhainen" antraf, so ist es wahrscheinlich, dass wenige Stunden stromaufwärts ähnliche Anlagen sich gefunden haben. '*") Nach Paus. V, 14, 2, durfte bei den Opfern für den olympischen Zeuß nur das Holz der Süberpappel verwendet werden. Man darf einen sehr reichen Bestand an Silberpappeln am Alpheios um so mehr annehmen, als nach Paus. Y, 13, 11, auch ausser der Festzeit auf dem grossen Zeusaltar Jahr aus Jahr ein t&glich von den Eleem geopfert wurde. Wenn man den Süberpappelbestand allmählich lichtete, so gewann man für Bauten und Siegerstatuen immer mehr Platz, wobei man einzelne Gruppen schöner Bäume schonen konnte. "*) V, 15, 3. »») V, 27, 11. •»«) Vin, 48, 2. :*.: Ä; ,. 28 " •;--l^^" Trotz alledem wird die Altis in der römischen Zeit doch den Eindruck des Überladeneu gemacht haben, da die Werke der Architektur schon der Zahl nach zu stark yorfaerrscfaten. Unsere Künstler sollten die Altis von Olympia in der klassischen Zeit sich zum Vorwurf nehmen, in welcher die Bezeichnung als Hain bei reicherem Baumbestand noch mehr zu Recht bestand ^'^^»). Zu den Ölbaumhainen ^*') darf ferner auch der Hain der Eumeniden im Gau Kolonos bei Athen gerechnet werden. Es lässt sich das nicht mit Bestimmtheit beweisen, da im ödipus in Kolonos des Sophokles die Baumgattung des Haines an keiner Stelle genannt wird. Von den Bäumen aber, welche im Drama in der Weise Erwähnung finden, dass an sie als Bestand des Haines gedacht werden könnte, war die Olive im attischen Lande, welches ödipus betritt, in Waldungen besonders häufig vertreten, wie sie auch in einem Chorliede der Tragödie gepriesen wird. Aus derselben müssen wir auch schliessen, dass der Eumenidenhain bis in die klassische Zeit, wie schon erwähnt worden ist, den Charakter der Haine ältester Zeit bewahrt hat. Antigene teilt dem blinden Vater nichts von irgendwelcher Hainbegrenzung mit und beide betreten, ohne es zu wollen und zu merken, die geweihte Flur des Haines. Den Bewohnern des ländlichen Ortes Kolonos war es dagegen gar wohl bekannt, wo räumlich das Reich der „Wohlwollenden Göttinnen" begann. Der Knabe Sophokles hatte dort in seinem Geburtsort selbst ja so oft gesehen, wie man in frommer Scheu dem dichten Olivenhain nur bis auf eine gewisse' Entfernung sich näherte. Die reiche Fruchtbarkeit der uralten Bäume, die, von den Wassern des Kephisos getränkt, herrlich gediehen, die süssen Töne der Nachtigallen, die gerade in dem unbetretenen Haine recht sichern Aufenthalt fanden, blieben dem Dichter bis ins hohe Alter, in welchem er die Tragödie dichtete, in bester Erinnerung. So deutet alles darauf hin, dass Sophokles in seinem Drama gerade den feierlichen, erhabenen Charakter des Eumenidenhaines, neben den blumeugeschmückten Wiesen am Kephisos, den frischgrünenden Lorbeergruppen unfern der ländlichen Häuser und den von Trauben strotzenden Weingärten ^•^®) zur Geltung kommen lassen wollte, wie er es von seiner Jugendzeit her kannte: kein Tempel, von Menschenhand erbaut, schimmerte im Hain durch das Grün der Zweige, kein Altar nahm eine Opfergabe auf, nur in düsterernstem Waldesdunkel bestand das Heiligtum, nur das vom dichtesten Ölbaumbestand dunkelbeschattete Erdreich des Haines selbst trank die Weihgüsse, welche die sühnebedürftige Hand dort fliessen liess. Auch eine spätre Zeit scheint an der alten Weise des Hainkultus nichts geändert, Altar und Tempel '**») Gärtners Gemälde ,,01ympia" in der Aula des Gymnasiums zu Elbing stellt die Altis zur Zeit Hadrians dar. Ein kleineres Landschaftsbild von Olympia ebenfalls der späteren Zeit hat Friedrich Prellers des Jüngeren Kttnstlerhand im Olympia -Saal des Albertinums zu Dresden entworfen. ''^) C. Bötticher, Baumkultus, Seite 180, bezeichnet den Hain der Eumeniden bei Athen als Eichenhain. Der gründliche Gelehrte führt an dieser Stelle eine Quelle für seine Angabe auffallender Weise nicht an. In des Sophokles Drama giebt kein Wort einen Anhalt für Böttichers Ansicht. ''^) Es scheinen sich manche Erklärer thatsächlich die Ansicht gebildet zu haben, dass nach Oed. Col. vs. 16 und 17 der Hain aus dä(fvr^, eXaia und af^Ttekog gebUdet worden sei. Es müsste ein wirres Durcheinanderwuchern entstanden sein, bei dem der Lorbeer untergegangen wäre. Während man vs. 675 f. nicht auf den Eumenidenhain beziehen darf, so ist vs. 16 X^Q^'s (^'od' HQog auf die ganze Gegend, einschliesslich des Haines, zu deuten. Antigene kann beim Eintritt in die Kephisosniederung nicht sogleich sich vollständig orientieren, aber der Eindruck der schönen, überall, wohin sie blickt, prangenden Natur, ist ein ihr bekümmertes Gemüt wundersam berührender, heiliger. — Schliesslich aber bietet die hier gegebene Zusammenstellung der Haine keine einzige Analogie für eine Mischung dreier so verschiedener Gewächse, wie sie irrtümlich angenommen worden ist. nicht errichtet zu haben. Durch den Brand, welcher bei dem Einfall des Antigonos in Attika den benachbarten Hain des Poseidon Hippios auf dem Kolonoshügel vernichtete, scheint auch der Enmenidenhain untergegangen zu sein. Nach Vernichtung des Waldbestandes konnte eine sonstige Spur nicht bleiben. Daher ist das Schweigen des Tansanias über den Hain der Eumeniden, obwohl er an Ort und Stelle war^^^), gar nicht zu verwundem. Ausser den edlen Ölbäumen hat man auch andre fruchttragende Bäume zu Hainen vereinigt. Drei solche Fruchthaine werden genannt, von denen zwei auch andre Bäume mit enthielten: der schon früher erwähnte Apollohain im Gryneion zu Athen ^*<') und der Grabeshain der Eallisto bei Krunoi in Arkadien^^^). Dagegen bestand der Hain, welchen Xenophon um den von ihm gegründeten Artemistempel in Skillus in Elis anlegte, lediglich aus Fruchtbäumen, deren reife Früchte man, wie er selbst schreibt, „beim Nachtisch knuspernd verzehrt"^**). Es sind hierbei vielleicht Feigen, Granatäpfel, Quitten und andres Kernobst nicht ausgeschlossen; doch hat man in erster Linie wohl an Schalenfrüchte zu denken. Nächst der Mandel, die von derartigen Früchten den Griechen am ehesten bekannt war ^^3), kämen Edelkastanien und Nüsse, vielleicht Haselnüsse in Betracht, wie sie Xenophon bei dem pontischen Volke der Mosynoiken auf seinem Zuge durch Kleinasien kennen gelernt hatte *^*). Mit ihnen würde der praktische Athener dann einen Aubauversuch gemacht haben. Ausser allen bisher angeführten Hainen werden uns noch die Namen und Orte von einigen Weihfluren ^^^) und ebenso von einer Anzahl Haine genannt, ohne dass wir über die Baumgattung derselben unterrichtet würden. Hier entsteht nun die Frage, ob noch an andre Bäume zu denken sei als an Kiefern, Cypressen, Eichen, Platanen, öl- und Fruchtbäume , welche den Bestand der bereits namhaft gemachten Haine bildeten. Eine kurze Umschau über die griechische Baumflora bis zur Zeit der Kriegszüge Alexanders des Grossen zeigt, dass sie im wesentlichen dieselbe geblieben ist, wie diejenige, an welcher schon die homerischen Griechen sich erfreuten. Nun finden ausser dem Apfel-, dem Birn-, dem Feigen-, dem Granatbaum und dem Weiustock und ausser vereinzelter Nennung der Cypresse, des Wachholders^®^), des Lorbeers und der Dattelpalme, in den homerischen Gesängen noch folgende Arten von Bäumen eine häufigere Erwähnung: die Tanne, die Kiefer, die Steineiche, die Speiseeiche, die Platane, die Ulme, die Weide, die Erle, die Silberpappel, '"') Paus. I, 30, 4, wo auch die Angabe über den Tempel und Hain des Poseidon Hippios sich findet. *«») Paus. I, 21, 7, vergl. oben Seite 7 und Note 26. '«') Paus. VIII, 35, 8. "*) Xen. Anab. V, 3, 12. tibqI de avxbv xov vabv aXoog riatgov dtvÖQiov ecfvrtidrj, ooa iavl xqoj'KTO. diQaia. '") V. Hehn a, a. 0., Seite 318, weist darauf hin, dass die Mandel unter dem Namen a^vydahj bei den attischen Komikern schon gewöhnlich ist. •**) Xen. Anab. V, 4, 29. xa^fa öi eTtl tCjv aroy/aicuv rv tzoIXc xa rcXaxia otx ixovxa öiacpvtjV ovdB(xiav. — Diese „breiten Nüsse" hält V. Hehn a, a. 0., Seite 320, für eine grosse Art corylus, wie sie jene Gegenden herrorbringen. Das Zeugnis von Pollux Onomast. I, 232, der sie für Kastanien hält, ist wohl nicht von Belang, da es aus später Zeit stammt. — An Steinobst ist gar nicht zu denken, da Pflaumen- und Kirschgehölze nachweislich erst in viel spätrer Zeit aus Asien eingeführt wurden. Vergl. Koch a. a. 0. Seite 195 ff, "») Paus. I, 18, 2; I, 1, 3; I, 29, 2; III, 20, 3; VII, 23, 9; VIII, 30, 2; VHI, 31, 5; VIII, S6, 6; IX, 8, 1; IX, 26, 5. '**) Nicht die Ceder haben wir unter yAöqoq zm verstehen, sondern Wachholderarten , Juniperus oxycedms und phoenizea, vergl. Koch, Bäume und Sträucher, Seite 39, Neumann-Partsch a. a. 0., Seite 368 f. ^\.:.:^ . ;T't 30 die Schwarzpappel, die Esche, der wilde und der edle Ölbaum und der KorfieliuslHrschbauttiw An diese in der nachhomerischen Zeit immer weiter verbreiteten Baumgattungen und etwa an die Edelkastanie^*^) wird man in erster Linie bei denjenigen Hainen***) zu denken haben, bei welchen die alten griechischen Reisenden sie nicht nennen, ganz und gar nicht aber an die Fichte, die Lärche, die Birke und die Linde, da sie überhaupt in Griechenland nicht vorkamen**^). Auch die Rotbuche, den Ahorn, die Rosskastanie und den Wallnussbaum wird man, da sie erst in verhältnismässig später Zeit auf griechischem Boden Eingang fanden, kaum als Bestand von Hainen angetroffen haben, aber auch nicht den in klassischer Zeit schon vollständig eingebürgerten Lorbeerbaum und die ebenso zeitig nach Griechenland eingeführte Myrte. Denn trotz der grossen Verbreitung der Kulte des Apollo und der Aphrodite wird von keinem antiken Schriftsteller ein griechischer Lorbeerhain oder ein griechischer Myrtenhain erwähnt^'"). Man wird also wohl an Eichen, Pappeln und andre weit verbreitete Gehölze^'*) bei den Hainen zu denken haben, deren Baumgattung uns nicht genannt ist. Es sind dies der umfangreiche Asklepioshain im Kurort Epidauros^^*), der Hain mit Tempel des Ares im lakonischen Geronthrai^^'), ein durch Quellbäche belebter Hain um ein allen Göttern gemeinsam geweihtes Heiligtum im Städtchen Marios der Eleutherolakonen*'*), der Tempelhain des Eros in Leuktra, **') Zur Speiseeiche und Steineiche kam die Knopper- und Scharlacheiche hinzu, vielleicht hat man aber in homerischer Zeit diese Arten nicht von einander unterschieden, ebensowenig wie die Edelkastanie von der Eiche. VergL oben Note 29 und 32. "*) Da der Maulbeerbaum, Erdbeerbaum, Keuschbaum (vitex agnus castus L.), Buchsbaum und die verschiedenen Gattungen der Pistazie, welche ebenfalls Griechenlands Boden trug, von durchschnittlich niederm Wüchse sind, so kommen sie wohl für Haine nicht in erster Linie in Betracht. "^'>) Diese Baumgattungen finden sich, mit Ausnahme einiger spärlichen Linden, auch heutzutage in Griechenland nicht. Vergl. Heldreich, Nutzpflanzen, Seite 53. '™) Dass der Lorbeer, der jetzt noch auf der griechischen Halbinsel häufig vorkommt, mit dem Apollokultus sich sehr weit verbreitete, steht ausser Zweifel. Vielleicht ist der Laurus nobilis L. aber doch etwas zu empfindlich gewesen (vergl. Koch, Bäume und Sträucher, Seite 89, der darauf hinweist, dass die Alten diese Eigenschaft des Baumes kannten), als dass ganze zusammenhängende Hainbestände sich hätten leicht pflegen lassen. Ein andrer Erklärungsgrund könnte darin liegen, dass man wegen seiner massigen Höhe den Lorbeer für zu wenig majestätisch hielt, als dass neben schlanken Tempelsäulen ein Lorbeerhain einen genügend grossartigen Eindruck hätte machen können. Daher wird man ihn mehr zu Gruppen- und Einzelpflanzung verwendet haben. Dies gilt natürlich in noch höherem Masse von der Myrte. Anpflanzungen einerseits des Lorbeers, andrerseits der Myrte um die Tempel des ApoUo und mehr noch um die der Aphrodite haben dann wohl schon aus diesem Grunde mehr den Charakter des Gartens getragen, wie er besonders in der hellenistischen Zeit bei den Hainen und Tempeln weiblicher Gottheiten sich ausgebildet zu haben scheint. Vergl. oben Note 77. *'') Die oben Seite 24 bis 28 gegebene Zusammenstellung der Kiefern-, Cypressen-, Eichen-, Platanen- und Olbaumhaine hat doch wohl gezeigt, dass man inbetreff der Baumgattung nicht immer besonders wählerisch war, dass man nicht immer nur den der betreflfenden Gottheit speziell geheiligten Baum zu einem Hain für geeignet hielt. Wenn Pausanias (H, 84, 6) berichtet, dass er in Hermion in Argolis den Tempel eines Apollo Platanistios gesehen habe, so rührte dieser Name wohl einfach von einem Platanenhaine her, der einst diesen Apollotempel umgeben hatte. In Kolophon war dem Apollo ein Eschenhain geheiligt (Paus. VII, 5, 10), obwohl der Lorbeer doch in Kleinasien wohl noch besser gedieh als in Griechenland. Auf dem troischen Ida sollten es (Paus. III, 13, 5) Komelkirschbäume gewesen sein, die einen Apollohain gebildet oder doch zu seinem Bestände gehört hätten. Die Griechen hätten die Bäume gefällt, um daraus das hölzerne Pferd zu zimmern, den darüber erzürnten Gott durch Opfer versöhnt und nach den Komelbäumen Kraneios, dann Kameios genannt. •'*) Paus. II, 26, 1 und 27, 1; vergl. Note 39 am Ende. "») Paus. III, 22, 6. "*) Paus. III, 22, 7. . ' ' -■ _31 VA«', '_■ . aus Laubbäumen bestehend"'), der Hain des Apollo Kameios unweit Pharai in Messenien^^"), der Tempelhain der Artemis Kondylea in Arkadien"^), der mehrfach oben besprochene, aus homerischer Zeit stammende Poseidonhain zu Onehestos in Böotien, und in derselben Landschaft in Potniai ein Hain der Demeter und Kore^'^), ein Stück Wegs von Theben der der kabeirlschen^ Demeter"^), femer in Argolis, der dem Heros Argos geweihte Hain^"") und schliesslich der Hain der Artemis Soteira in Pellene in Achaia^^O» der der Despoine in der arkadischen Stadt Akakesion^^'), der früher schon erwähnte Tempelhain der Demeter im thessalischen Pyrasos*^^), der des Poseidon auf der Insel Tenos'*^) und der grosse Zeushain bei Aigion iii Achaia^*''). Auf dem Hügel im Gau Kolonos lag der schon erwähnte Tempelhain des Poseidon Hippios^^*) und auf einem Hügel ein Hain um einen Poseidontempel im arkadischen Trikolonoi**^), ebenso des samischen Poseidon Hain und Tempel auf einer Anhöhe in-Elis^^*). In derselben Landschaft schmückte ein Demeterhain den Bergabhang beim triphylischen Pylos^®^). Des Apollo Tempel und Hain im böotischen Kyrtones lag mit der ganzen Stadt auf einem hoben Berge ^'''), ebenso der ausgedehnte Tempelhain des Pan auf dem arkadischen Berge Lykaion^^*) und ebenda auch noch ein Tempel mit Hain des parrhasischen Apollo ^^*). Den Musen war der ganze Helikon in Böotien geheiligt, auf der Bergeshöhe hatte man ihnen einen Tempel und einen Hain geweiht, den vielleicht Tannen bildeten ^^^). Schliesslich darf man bei mehreren von Pausanias genannten Weihfluren, welche auf Bergen lagen, ursprünglich vorhandene Hainanlagen annehmen. Dies gilt zunächst von zwei dem Zeus geweihten Fluren, deren eine der Gipfel des Ithome in Messenieu^'*) trug, während die andre auf dem Lapbystionberg bei Koroneia in Böotien ^^^j lag. In noch höherem Grade ist öS wahrscheinlich, dass wenigstens ein Teil der sehr umfangreichen Apollo -Weihflur auf "*) Paus, in, 26, 5, berichtet, dass das durch den Hain strömende Wasser die im Frühling fallenden Blätter, selbst wenn es noch so reichlich fliesst, nicht wegschwemmt. "*) Paus. IV, 31, 1. Beim Apollo Kameios wäre hier nach Paus. III, 13, 5 (.vergl. oben Note 171 a. E.) an Komelkirschbäume zu denken. «") Paus. VIII, 23, 6. >'") Paus. IX, 8, 1. '") Paus. IX, 25, 5. '«<•) Paus. III, 3, 10; III, 4, 11, erwähnt, dass Kleomenes denselben durch Heloten anzünden und mit ihm die in den Hain geflüchteten 5000 Argiver verbrennen liess. "') Paus. Vn, 27, 3. "») Paus. VIII, 37, 10. '«») Strabo IX, 5, 14; vergl. oben Note 40. '*•) Strabo X, 5, 11, berichtet von grossen Speisehallen im Haine für die zahlreichen Besucher der Poseidonfeste. '") Strabo VIII, 7, 5, erwähnt die Benutzung des Haines zu den politischen Beratungen der achäißchen Bundesversammlungen. '^) Paus. I, 30, 4. *") Paus Vm, 35, 6. '^ Strabo VHI, 3, 16. >«») Strabo VIII, 3, 14. '*^ Paus. IX, 24, 4; vergl. oben Note 73. "') Paus. VIII, 38, 5. "«) Paus, vm, 38, 2. '•*) Paus. IX, 31, S. Bursian a. a. 0. I, Seite 236, bemerkt, dass die unteren Partien des Helikon rwar den nackten Fels zeigen, die Höhen aber mit Tannenwäldern bedeckt sind. •»*) Paus. IV, 3,9. '«) Paus. IX, 34, 4. - ^ -üp. '-'■>.•.•. 32 ^'^ '.".■>■•? vs:if-^' "m detß Ba^abbängen vcm-Delphr mit Bäumea «iues* dem Gölte heilige^ äaines bestmnlea^iKai'^^^. Des Pausanra^^^^) ^Bemerkung, dass die geweihte Flur iä>er^( iioiBi Wegiiii::4urcfa8chDittea seiy witTde man dann wohl auch auf den Hain beziehen, und, i-wehigstens inbetreff spätrer Jahrhunderte, dabei asi .promenadenartige Anlagen denken dürfen. In ' 'der Diadoeheiizeit wird man an eibem Ort wie Delphi, an dem, des Orakels und der Sehenswürdigkeiten wegen, Gäste und Besnohei* aus. allen Weltteilen sich einfanden, zum Schmuck der Anlagen die aus. dem Orient eingeführten Zieirj^nzen und Blumen verwendet haben. , .-. . lit) .. ....... J''^u "*) Strabo IX, 3, 9. ! •. ') Paus. X, y, 1. Anmerkung: Der zur Verfügung stehende Raum ist zu beschränkt, um die G&rten der klassfscbeii '^eit ausMhrlicber behandeln zu können. Inbetreft' der Litteratur und der Zeugnisse der Schriftsteller vergl. HerraaVih^ lilümner, Griech. Antiquitäten Seite 103 ft'. * x'fj?^,. ."^^^^■'^ *■*.« ■jjft ^■■■■:^ «.T, W